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Lesen oder Lassen?

Buchvorstellung
Klar, verständlich und erhellend appelliert die Soziologin an unsere Gesellschaft

Jutta Allmendinger, »Es geht nur gemeinsam«

Worum geht es?
Jutta Allmendinger berichtet, beschreibt, dokumentiert, auch anhand ihrer eigenen Vita, den generationsübergreifenden Lebensgeschichten und fundierten Studien mit wissenschaftlichen Tabellen von der weiter führenden Geschlechterungleichheit in Deutschland, wie den Möglichkeiten einer Angleichung.

Was kann es?
Klare, realistische Fakten aufzeigen. Die nachfolgenden Generationen motivieren, sich mit den relevanten Themen auseinanderzusetzen, durch eigenes Engagement etwas ändern wollen, ändern können in Worten, Taten, Umsetzungen.

Was hat das mit mir zu tun?
Trotz einer Mutter, die als Zahnärztin (1911 geboren) die Familie hervorragend materiell, kreativ kulturell fundamentierte, hörte ich als Jugendliche den Satz: »Du heiratest ja mal einen reichen Mann«!
Tat ich nicht. Trennung nach 20 Jahren Ehe. Ich stand buchstäblich auf der Straße. Der radikale Neuanfang ging einher mit den – immer noch, immer wieder die in der Gesellschaft üblichen Ressentiments den »verlassenen« Frauen gegenüber. Die Rente honoriert die Summe der geleisteten Care-Arbeit nicht.

Warum sollte mich das interessieren?
Dass die vielfältigen Diskriminierungen den Bürger*innen gegenüber – vor allem das Familienmodell klarer werden und die nachfolgenden Generationen mit anderen Forderungen, Zielen ihre Lebensentwürfe planen können. Das Buch gehört als Pflichtlektüre in die letzten Klassen der Berufs-/Förder-/Grundschulen, Fach: Ethik, wie in die umfangreichen, weiterführenden Schulen, Internate.

Wie ist es geschrieben?
Flüssig, gut zu verstehen, erhellend!

Kostprobe
Trotz all der Energie und Dynamik, die Frauen an den Tag legen, verändert sich wenig. Der Gender Pay Gap bewegt sich nicht, der Gender Care Gap bleibt riesig. Und die viel zitierte gläserne Decke ist sehr viel undurchsichtiger, als der Name suggeriert. Betondecke wäre passender. Denn ich konnte nicht hochschauen in die Besprechungen der Wirtschaftsspitzen, daraus lernen, mich vorbereiten. Und die Luke stand nur dann einen Spalt offen, wenn es um Anhörungen ging. Frauen können vor allem in der freien Wirtschaft bestenfalls hineinlugen in das Leben der Mächtigen.
Dennoch (oder deswegen) müssen sie sich noch immer vorhalten lassen, es fehle ihnen der Biss, die Motivation, das unbedingte Wollen. Der Gender Position Gap, der Unterschied zwischen Frauen und Männern im Erreichen der Leistungspositionen, ist kein etabliertes Maß. Die Bezugsgröße ist nicht definiert. Sind es alle Führungspositionen in Deutschland? Zählen gleichermaßen Leistungen von Stiftungen, Konzernen, Bäckereien, Universitäten und Parteien dazu? Oder betrachtet man nur börsenorientierte Unternehmen? Die größten? Die DAX-Gruppe?Je nach Bezugsgruppe unterscheiden sich auch die Ergebnisse.

Jutta Allmendinger, »Es geht nur gemeinsam. Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen«, Ullstein, 137 Seiten, 12 €

Rezension: Barbara Kempkens

»Corona und Frauen«

»Wirft die Coronakrise Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter um drei Jahrzehnte zurück?« Diese Frage und weitere diskutierte Jutta Allmendinger im taz Talk #94 mit Redakteurin Simone Schmollack.

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