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Palais F*luxx

Online-Magazin für Rausch, Revolte, Wechseljahre

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Lesen oder Lassen?

Buchvorstellung: „Ungehorsam“

Montage: Brigitta Jahn

Worum geht es?

Ein Roman über das Verschwinden einer Tochter, über Vertrauen zwischen Eltern und ihren Kindern, aber auch über die Sorgen der jungen Generation um die Folgen des Klimawandels. Es geht um die Fragen, wie sehr vertraue ich meinem Kind und darf in bestimmten Situationen jedes Mittel recht sein.
Die 15-jährige Lara ist verschwunden. Ohne eine Nachricht zu hinterlassen, taucht sie nach einem Kinobesuch nicht wieder zu Hause auf. Ihre Eltern melden sie bei der Polizei als vermisst. Dann findet ihre Mutter Rebekka heraus, dass ein Rucksack verschwunden ist und sie weiß, dass Lara nicht entführt wurde, sondern freiwillig gegangen ist. Aber warum? Sie denkt an all die Streitereien der vergangenen Wochen, an ihre Vorwürfe, daran wie wenig sie eigentlich über ihre Tochter weiß. Schließlich macht sie sich selber auf die Suche und trifft auf eine Gruppe junger Umweltaktivisten, denen jedes Mittel recht ist, um die Aufmerksamkeit der Gesellschaft für ihre Forderungen zu bekommen.

Was kann das Buch?

Was wissen wir wirklich über unsere Kinder? Wie sehr geben wir hnen Freiräume, wo endet das Vertrauen und wo beginnt die Liebe? Um diese großen Fragen geht es. Die Geschichte um die Klimaaktivisten trägt, ist aber für mich lediglich ein Nebenschauplatz.
Eigentlich geht es um Rebekka.
Und um Rebekka und das Verhältnis zu ihrer Tochter.
Wie sehr bleiben wir als Eltern wir selbst? Wie viele unserer Wünsche und Sorgen projizieren wir in unsere Kinder und wann wird aus Fürsorge Überwachung?
Immer wieder gibt es Sätze, in denen man sich und seine eigenen Gedanken wiedererkennt. Bei denen man sich ertappt und durchschaut fühlt.

Warum sollte mich das interessieren?

Weil es spannend ist, Rebekka dabei zuzusehen, wie sie sich innerhalb weniger Tage verändert. Von einer verheirateten Frau und Mutter, die in den Tag hineinlebt, wird sie zu einer nachdenklichen, alleinlebenden Frau, die beginnt, sich nicht nur um sich selbst zu drehen. Durch den Kontakt zu den Aktivistinnen und Aktivisten öffnet sich Rebekka für neue Gedanken über ihre Umwelt und dabei wird die Suche nach ihrer Tochter manchmal beinahe zur Nebensache.

Warum ist die Autorin interessant?

Nicola Karlsson ist 1974 geboren (sie leuchtet also schon mit uns), in Berlin aufgewachsen, wo sie auch heute mit ihrer Familie lebt. Ihr Debut „Tessa“ erschien 2013, 2019 der Roman „Licht über dem Wedding“. Wer Rezensionen ihrer Bücher liest, der wird immer wieder auf die Begriffe „schonungslos, mitfühlend, zärtlich und emphatisch“ stoßen.

Kostprobe:
„Plötzlich bemerkte ich eine Art Hochmut und abschätzige Arroganz an ihr, sie wirkte unnahbar. Ich fühlte mich von ihr in eine Rolle gedrängt, die ich nicht ausfüllen wollte, die ich aber auch nicht einfach abstreifen konnte. Ich kam mir spießig vor neben ihr, doch es widerstrebte mir, ihre Wünsche zu erfüllen, Entschuldigungen zu schreiben, nur weil ihr die Lust fehlte, in die Schule zu gehen. Sie behauptete, alles, was sie dort beigebracht bekäme, wäre nicht von Belang. Und dann erwischte ich sie schließlich dabei, wie sie meine Unterschrift fälschte. Die Direktorin rief mich an, beschwerte sich über die sich anhäufenden Fehlzeiten und weil Lara sich mit den Lehrern anlegte und ihre Mitschüler beleidigte. Ich musste erfahren, dass Lara eine Schulstunde gestört hatte, nachdem zwei Mitschülerinnen in den Freistunden bei Primark gewesen und mit großen Tüten zurückgekommen waren. Lara hatte einen Aufstand anzetteln wollen und hielt ihnen einen Vortrag über schlechte Arbeitsbedingungen, prangerte an, dass ihr Geiz und ihre Gier auf Kosten der Menschen in den ärmsten Ländern gingen, und sie gab keine Ruhe, bis der Lehrer sie von ihrem Tisch zerrte und aus der Klasse warf.“

Nicola Karlsson: „Ungehorsam“, Piper, 20 Euro
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Rezension: Anja Goerz

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