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Na, fein!

Sylvia Heinleins Wochenjournal über die Stürme im Wasserglas des Alltags. Diesmal: Erkenntnisse

An der frischen Luft sehen die Leute aus den Partnerbörsen gleich viel besser aus

Liebesbedürfnisse wollen befriedigt werden. Für Furchtlose führt der Weg ins Internet. Für alle anderen in den Supermarkt oder den Park.

Ich halte es mal im Telegrammstil, sonst wird das eine unendliche Geschichte. Also: neulich gedacht, wo sind eigentlich die ganzen tollen Single-Männer, die es definitiv geben muss? Mich probehalber als Gast auf drei gediegenen Partnerschaftsbörsen im Internet angemeldet. Rumgeguckt. Unangenehme Gefühle bekommen. Nach drei Stunden immer noch kein Schnäppchen entdeckt und beschlossen, dass es okay ist, das als eindeutiges Zeichen zu werten. Meine Profile wieder gelöscht. Von der ganzen Geschichte ordentlich Hunger bekommen und in den leeren Kühlschrank geguckt. Schnell in den Supermarkt gefahren. Vor dem Käsetresen in anständiger Entfernung neben einem unter der Maske eventuell hübschen Mann mit einem Einkaufskorb voller anständiger Leckereien gestanden. Ihm kurz zugezwinkert. Nach all dem sinnlosen Online-Gedaddel aber leider zu erschöpft für mehr gewesen. Fazit gezogen: Augen auf im Supermarkt.

Keine Meinungsänderung seit langem

Abends in den Mails eine interessante Frage gefunden: „Worüber haben Sie in der letzten Zeit Ihre Meinung geändert?“ Hm. Langes Nachdenken. Erschüttert festgestellt: keine Meinungsänderung seit langem. Das ist so schlimm, wie kein Gemüse essen. Gemüse ist lebensnotwendig. Später dann zum Glück „Puzzle“ bei Netflix entdeckt – ein reicher Erfinder und eine ungebildete Hausfrau wollen gemeinsam Puzzle-Sieger werden. Erkenntnis: Leben ist Chaos und Puzzeln ein Weg, um es zu kontrollieren. Wenn ein Puzzle vollendet ist, hat man die richtigen Entscheidungen getroffen, egal, wie oft man sich vorher verirrt hat. Wow! Ich möchte meine ganz neue Meinung weitergeben: Auch der scheinbar sinnloseste Zeitvertreib kann helfen, mit dem verrückten, überfordernden Leben klarzukommen. Ausnahmen sind natürlich frustrierende Betätigungen, wie Pfannkuchen aus Mandelmehl backen, Abnehmen oder die falschen Männer an Land ziehen.

Nieselregen im Park

Abgesehen davon gehen jetzt bitte alle, die gerade nach irgendetwas suchen, offline und raus in den Park! Da gibt es: realen Nieselregen oder Sonnenschein, bunte Blätter und andere Suchende. Man kann sie im Vorübergehen anlächeln, gerade mit Nase-Mundschutz hat das etwas Besonderes und Eindringliches. In jeden Fall ist es ein schöner, heiterer Augenblick. 

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