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Tatsachenreport

Im tantrischen Schlangenserail

Da lag ich nun also, mitten in einem Meer nackter Menschen, und wartete auf die Berührung des Tiers. Irgendwie ganz schön abgefahren, diese Veranstaltung. Als „Tantrisches Schlangenserail in einer tibetischen Jurte“ war der Abend angekündigt, und dieser Titel hatte mich mehr als neugierig gemacht. Fünfzehn waren wir – sieben inzwischen nackte Frauen, dazu genauso viele unbekleidete Männer, sowie die kettenbehängte Serailchefin. Und Samson und Kaliope, die zwei Königspythons. Während ich und die 13 anderen Teilnehmenden die erste Hälfte des Abends mit sinneserweiternden Berührungs- und Näheübungen in wechselnden Konstellationen (und mit dem Ablegen der zunehmend lästigen Textilien) zugebracht hatten, warteten die beiden in einem zugeschnürten Kissenbezug auf den weiteren Verlauf der Veranstaltung, bei dem sie sich munter über uns schlängeln sollten. “Webt ein Netz des Vertrauens, legt euch eng aneinander und gebt euch der Berührung hin”, so lautete die Ansage. Und so lagen wir da, ordentlich aufgeheizt und mit kaum zu unterdrückender Nervosität, wartend auf etwas, das ziemlich sicher niemand von uns schon einmal erlebt hatte.

Sachte und leicht zeigte sich der Moment, in dem ich eines der Zwei-Meter-Tiere an meinem Fuß spürte. Fast vorsichtig bewegte sich die Schlange über meinen Körper, die Berührung war angenehm, die Haut des Reptils nicht – wie erwartet – kalt, sondern der hitzig-schwülen Atmosphäre in dem mit Fellen und Tüchern ausgelegten Rundbau entsprechend. Neben mir stöhnte jemand. Mehrfach. Sehr schrittbefeuchtend, dieses Setting, ging es mir durch den Kopf. Das fand offensichtlich auch der Mensch, dessen Hand sich unaufdringlich an meinem Unterleib zu schaffen machte. Mann? Frau? Keine Ahnung. Hand – das reichte für den Moment. Kaum zu glauben, wie schnell sich die Erregung ausbreitete, und zwar nicht nur bei mir. Es war, als hätte man ein Streichholz in einem trockenen Wald entzündet. Das Buschfeuer verbreitete sich quer durch die Jurte und begann intensiv zu lodern. Und neben sengender Hitze lag auch noch reichlich flirrende Schwüle in der Luft. Wie viele Hände da plötzlich waren, krass! Und die Schlangen sorgten kreuz und quer im Raum für Stimmung. “Keine Penetration” hatte die freundliche, aber bestimmte Ansage zu Beginn des Abends gelautet. Sie zu befolgen, fiel den anderen emsig Netzwerkenden vermutlich ebenso schwer wie mir. Einzelne Orgasmen waren dennoch hie und da zu hören, die meisten eher zurückhaltend, genau passend zu dem atemberaubend-sinnlichen Szenario.

Gefühlte zwei Stunden und etliche Höhepunkte später trat die Schlangenbesitzerin mit dem Feuerlöscher in Aktion. „Samson und Kaliope sind wieder versorgt und jetzt kommt auch ihr bitte langsam zum Ende“, ließ uns die Chefin des Abends wissen. Es dauerte etwas, bis ich mich in der Wirklichkeit wieder zurechtfand. Nach der Abschlussrunde holte ich meine Sachen aus der Umkleide. Neben mir ein gutaussehender junger Mann mit angemessen  umflortem Blick. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich netztechnisch wenig bis gar nichts mit ihm zu tun gehabt hatte, aber egal, das Vertrauen war da. Wir tauschten Telefonnummern aus. Vielleicht wäre ja auch ein privater Serail zu zweit eine animierende Sache?

B., 52 J.


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