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Palais F*luxx

Online-Magazin für Rausch, Revolte, Wechseljahre

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Macht doch, was ihr wollt!

Jeden zweiten Mittwoch stellen wir Euch eine Frau vor, die ihr Leben umkrempelt
oder sonst etwas macht, auf das sie gerade Lust hat

Heute: Rebecca Spilker

Einfach rumliegen und dösen wird total unterschätzt, weiß Rebecca Spilker
Foto: Brigitta Jahn

Sich feste Ziele stecken und verbissen darauf hinarbeiten, ist Rebeccas Sache nicht. Also hat sie ihr Soziologie-Studium geschmissen, in einer Kinderboutique gejobbt, dann viel geschrieben … und ist dabei immer sich selbst treu geblieben. So! Und weil sie immer Bock auf was Neues hat, gibt’s jetzt auch einen Podcast: In „Rebecca räumt auf” spricht sie mit Leuten, die sie schon ewig kennt und die entweder aus der Musik- oder der Literatur-Szene kommen.

Name: Rebecca Spilker
Alter: 55
Beruf: Publizistin, Podcasterin, Stadtführerin
Wohnt in: Hamburg
Motto: Leben und leben lassen

Was beschäftigt Dich zurzeit am meisten?
Am meisten beschäftigen mich die Umfrageergebnisse bezüglich der AfD. Und natürlich der Ukraine-Krieg.

Auf was kannst Du locker verzichten?
Auf Misogynie und Krieg

Was treibt Dich an?
Neugier und Wut

Was wolltest Du als Kind für einen Beruf ergreifen?
Schauspielerin

Dein tatsächlicher beruflicher Werdegang?
Abgebrochenes Studium (Soziologie, Sozialpsychologie), für verschiedene Druckerzeugnisse geschrieben, Kinder bekommen, verschiedene Jobs (zehn Jahre Kinderboutique etc.), jetzt schreibe ich wieder für verschiedene Zeitungen und mache meinen eigenen Podcast.

Musstest Du Dich schon mal neu erfinden?
Eigentlich habe ich mich die ganze Zeit über immer wieder neu erfunden. Ich feiere immer schon die Veränderung, habe auch keine Angst vor ihr.

Hast Du auch einen Job-Neuanfang erlebt?
Ja, nach meinen Jahren in der Kinderboutique wollte ich mir etwas Neues suchen und habe mich als Stadtführerin und Entwicklerin von Städtetouren etabliert.

Dein größter Erfolg?
Dass ich in letzter Zeit als Autorin wahrgenommen werde und Anfragen bekomme, ohne dass ich mich selbst darum gekümmert hätte.

Dein schlimmster Misserfolg?
Ich habe diverse Jobs nicht bekommen, als ich kleine Kinder hatte. Man traute mir schlicht nicht zu, dass ich alles unter einen Hut bekomme.

Gibt es eine Krise, von der Du uns erzählen magst, die Dich weitergebracht hat?
Ich habe einmal, vor 17 oder 18 Jahren, meinen Bekanntenkreis ausgemistet, als ich mich mit bestimmten Personen nicht mehr wohlfühlte. Danach lief alles besser, ich war wie befreit.

Wie empfindest Du Deine derzeitige Lebensphase?
Sie ist toll. Ich habe die Zeit meines Lebens und bin optimistisch, dass es noch besser weitergeht!

Du machst jetzt einen Podcast. Warum?
Ich hatte einfach Lust drauf, das zu machen. Ich habe mal eine Art Auftragsgespräch mit dem Musiker Michael Girke für den Podcast-Channel („Rewind“) von Tapete Records geführt. Das lief wunderbar und hat viel Spaß gemacht. Ich bekam danach Angebote von Podcast-Produktionen, dachte aber: Das kann ich auch selbst! Mein Freund ist Musiker und so haben wir immer viele Gäste und Freunde bei uns privat zu Gast, die vielleicht ein bisschen bekannt sind. Die Idee ist, die kralle ich mir und nehme das Gespräch auf. Bumms: Podcast! Ich bereite das ein bisschen vor und los geht’s. Ich fand es auch wichtig, dass mal Fragen gestellt werden, die etwas mehr an die Wurzel gehen und intimer und härter gestellt werden. Das ist ganz gut gelungen, finde ich. Ich klöne halt auch wahnsinnig gerne …

Ist was besser, seitdem Du den Podcast machst?
Der Podcast war gar nicht so der Gamechanger. Eher, dass ich grundsätzlich, nach 25 Jahren, wieder mit dem Schreiben angefangen habe. Mittlerweile schreibe ich für einige Zeitschriften und Portale. Und endlich auch ein Buch (toi,toi,toi!). Ich hatte vor einigen Jahren angefangen, furchtlos und herrlich aggressiv geworden durch die reinkickenden Wechseljahre, auf Facebook mein Textding zu machen. Das wurde gesehen und geteilt und schließlich bekam ich Anfragen, ob ich nicht hier und da als freie Autorin einsteigen möchte. Mittlerweile läuft das sehr gut. Ich habe einfach mal mit was angefangen und weitergemacht. Das Ding mit dem „Unsichtbar-Werden“ durch die Menopause hat bei mir nicht stattgefunden. Im Gegenteil. Ich kann natürlich jetzt auch Altersweisheit ins Feld führen.

Was ist Dein Rat an Frauen, die sich in der Mitte des Lebens neu aufstellen wollen?
Habt keine Angst. Einfach loslegen und wenn was schiefgeht – nehmt es mit Humor und versucht es nochmal.

Was möchtest Du unbedingt in diesem Leben noch mal tun?
Ein Buch veröffentlichen.

Was hast Du zuletzt zum allerersten Mal gemacht?
Habe mich in der Fittibude (Fitnessstudio, Anmerkung der Red.) angemeldet und BIN HINGEGANGEN!

Dein perfekter Tagesablauf?
Bis 18 Uhr arbeiten und dann Weißwein.

Dein größtes Laster?
Weißwein.

Wie oder womit tankst Du am besten auf?
Rumliegen und dösen

Was empfindest Du heute anders als noch vor 20/30 Jahren?
Mir ist heute herzlich schnuppe, was andere von mir denken. Damit bin ich immer schon lässig gewesen, jetzt ist es mir aber vollkommen egal. Für meine Freund:innen tue ich allerdings alles.

Dein Rat an Dein früheres Ich?
Gib nicht so schnell auf!

Vielen Dank!

Das Interview führte Gerlind Hector, die es nicht fassen kann, dass sie noch nie in ihrem Leben eine echte „Rebecca” getroffen hat – obwohl sie geradezu erpicht darauf ist. Spätestens seit sie mit zwölf Jahren das gleichnamige Buch von Daphne du Maurier gelesen hat, ist sie dem schönen Namen nämlich total verfallen. Ja, auch die Hitchcock-Verfilmung hat es in sich, aber nur das Buch hinterlässt wahre Grusel-Schauer. Es fängt schon spannend an: „Gestern Nacht träumte mir, ich sei wieder in Manderley …

Rebeccas Podcast „Rebecca räumt auf”

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