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Lesen oder Lassen?

Buchvorstellung

Kamala Harris »Der Wahrheit verpflichtet«
Montage: Brigitta Jahn


Worum geht es?
Es ist die Autobiografie der Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika. Von der Kindheit bis zur Senatorin beschreibt sie ihren Weg, Herausforderungen und Begegnungen. Ereignisse, die sie politisch geprägt und bewegt haben, spielen ebenso eine Rolle wie ihre Arbeit als Staatsanwältin und Juristin.

Was kann das Buch und was hat es mit mir zu tun?
Das war doch wirklich ein ganz besonderer Moment, als im vergangenen Jahr Kamala Harris als erste Frau, noch dazu als erste Schwarze, als Vizepräsidentin der USA vereidigt wurde. Die Freude über das neue Amt war ihr so sehr anzusehen und meine Neugier auf diese Frau wuchs, als ich sah, wie glücklich sie zu sein schien. Leider endet diese Biografie im Jahr 2019, und damit vor der Ankündigung, dass Kamala Harris zusammen mit Joe Biden für die Demokraten um die Präsidentschaft kämpfen wird. Dieses spannende Kapitel ihres Lebens folgt ja dann vielleicht in einem neuen Buch. Aber es gibt interessante Einblicke in ihre Arbeit als Juristin, als Staatsanwältin und als Senatorin. Ereignisse in der amerikanischen Politik, die auch bei uns zu Aufregern wurden, wie die Abschiebung der sogenannten Dreamer (junge Menschen ohne amerikanische Ausweispapiere, die im Kindesalter von ihren Eltern in die USA gebracht wurden, meist über die Grenze zu Mexiko) oder die Trennung mexikanischer Einwandererkinder von ihren Eltern, werden hier aus der Perspektive einer Politikerin geschildert. Persönliche Erlebnisse führten bei Kamala Harris nicht selten zu Gesetzesvorlagen oder Ideen für staatliche Hilfsprogramme, die zum Teil bis heute wirken.

Lesen oder lassen?
Leider lässt sich diese Frage nicht eindeutig beantworten. Ich würde sagen: Lesen, wenn einen die Politik der Vereinigten Staaten interessiert und wenn man wissen will, wie das Rechtssystem dort funktioniert. Lesen auch, wenn man gern die Lebensgeschichte erfolgreicher Frauen verfolgt. Nicht lesen, wenn man Literatur liebt und mehr will als eine schlichte Aneinanderreihung von Lebensereignissen. Vielleicht war es keine gute Idee, dieses Buch von einem Mann übersetzen zu lassen, mitunter sind die Formulierungen doch recht glanzlos und eckig. Vielleicht hätte eine PoC (Person of Color) an der einen oder anderen Stelle geschmeidiger formuliert, wenn es um Schwarze, Latinos und andere Zuwanderer in den Vereinigten Staaten geht in diesem Buch.

Warum ist die Autorin interessant?
Weil sie Kamala Harris ist. Womöglich die erste Frau, die amerikanische Präsidentin wird. Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten, geboren 1964 in Oakland als Tochter von Einwanderern. Sie war Bezirksstaatsanwältin von San Francisco, Generalstaatsanwältin und Justizministerin von Kalifornien und wurde 2017 US-Senatorin der Demokratischen Partei.

Kostprobe:
„Spätestens seit meiner Wahl zur Senatorin weiß ich auch, dass dieser Kampf durch Optimismus getragen wird. In den Fluren des Kapitols sehe ich Hunderte Dreamer, die überzeugt sind, dass sie etwas bewegen können, wenn man sie nur anhört. Und das werden sie auch. Das sehe ich an den Eltern, die aus dem ganzen Land mit behinderten Kindern nach Washington kommen, damit die Abgeordneten die Gesichter der Menschen sehen, die ihren Versicherungsschutz verlieren, wenn Obamacare abgeschafft wird. Ich sehe es an den Frauen, die jeden Tag für das Recht kämpfen, selbst über ihre Körper zu entscheiden. Ich sehe es in den Überlebenden der Schulmassaker, die für schärfere Waffengesetze demonstrieren und Erfolge erzielt haben, die ihnen zeigen, dass eine bessere Zukunft möglich ist.“

Kamala Harris „Der Wahrheit verpflichtet“, aus dem amerikanischen Englisch von Jürgen Neubauer, Siedler Verlag, 336 Seiten mit Fotos, 22€

Rezension: Anja Goerz

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