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Lesen oder lassen?

Buchvorstellung

Buchcover »Woman on fire«

»Woman on fire – Alles über die fabelhaften Wechseljahre« von Dr. med. Sheila de Liz

Worum geht es?
Thema ist die Phase im Leben einer Frau, in der sich laut de Liz der Östrogen-Nebel im Hirn langsam verzieht. Er hat im Sinne der Evolution dafür gesorgt, dass die eigenen Bedürfnisse denen der anderen untergeordnet wurden. Damit ist die Blickrichtung klar: Es geht nicht um den Herbst, sondern den Hochsommer der Frau. Es geht um aktive Vorsorge für eine zweite Lebenshälfte, ohne vermeidbare gesundheitliche Einschränkungen, und vor allem um eine neue Freiheit. 

Was kann es?
Das Buch bietet zahlreiche, immer durch Ergebnisse von Studien belegte Fakten rund um die hormonellen Vorgänge im weiblichen Körper, und erklärt anschaulich deren Auswirkungen. Gleichzeitig werden Mythen überprüft („Wenn die Hitzewallungen überstanden sind, ist alles gut; geistiger Verfall ist eine normale Alterserscheinung; Ursache für Inkontinenz ist meist ein schwacher Beckenboden …“). Hormonmangel, so die wichtigste Nachricht des Buches, ist extrem ungesund und verursacht die meisten Krankheiten des Alters. Abhilfe können moderne Therapien mit bioidentischen Hormonen schaffen, und zwar bis zu zehn Jahre nach Beginn der Wechseljahre. Sie beugen Szenarios vor, die gemeinhin gerne als normale Alterserscheinung angesehen werden, und nicht hingenommen werden müssen: Gefäßverkalkung, Demenz, Osteoporose, Gebärmuttersenkung, Inkontinenz, Depressionen und Libidoverlust.

Was hat es mit mit zu tun?
Das Buch bestärkt mich darin, dass auch mit grauen Haaren und Gleitsichtbrille noch was geht, vielleicht sogar noch mehr als vorher. Und ganz praktisch: Meine Gelenkschmerzen sind ein Symptom der Wechseljahre. Den Termin beim Orthopäden kann ich mir sparen. Und: Yamswurzel hilft garantiert nicht gegen Hitzewallungen.

Wie ist es geschrieben?
Die Ärztin hat das seltene Talent, wissenschaftliche Ergebnisse überaus lesbar zu transportieren, ziemlich locker und explizit („guter Sex macht Flecken“). Manchmal etwas übertrieben, aber durchaus unterhaltsam, illustriert sie die Tatsachen mit Anleihen aus der amerikanischen Popkultur wie „Charlie’s Angels“: Cameron Diaz, Lucy Liu und Drew Barrymore als die drei Hormone Östrogen, Progesteron und Testosteron. Kein Wunder, sie ist Amerikanerin.

Kostprobe 
„Deshalb habe ich dieses Buch geschrieben, damit du nicht davon abhängig bist, was von deinem Arzt fragmentiert an Informationen kommt. Und um endlich dieses patriarchalische Denken aufzulösen, dass die Bedürfnisse der Frau irgendwie zweitrangig sind, dass wir Ruhe auf den billigen Plätzen halten sollen und der Alt-Herren-Mediziner-Club entscheidet, was wir wissen sollen und was sie uns nicht erklären müssen, weil es zu kompliziert ist, weil sie beschlossen haben, dass die Lieselotte Müller aus Klein-Winterheim es sowieso nicht versteht … Ich bin es leid, dass die coolen Frauen von heute in die Jutetasche der Siebziger und Achtziger gesteckt werden.“

Dr. med Sheila de Liz „Woman on fire“, rowohlt polaris, 285 Seiten, 16,50 €

Rezension: Bettina Buschow

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