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Tatsachenreport

Fast sadomaso

Kurz vor Corona ahnte ich, dass mich die Wechseljahre bald mit voller Wucht ereilen würden, und fasste den Entschluss, vorher noch so viele sexuelle Varianten wie möglich auszuprobieren.
SM hatte ich noch nie versucht, und da ich nicht devot bin, beschloss ich, es eben mit einem devoten Mann zu erforschen. Ich dachte mir das Ganze wie ein perfektes Weihnachten, an dem ich sagen würde, was ich will und er all meine Wünsche erfüllen würde.
Auf einem Sex-Portal lernte ich schnell einen Mann kennen, den ich reizvoll fand: Er schrieb klug und witzig, war groß, jungenhaft und gefühlt 25 Jahre jünger als ich. Wir verabredeten uns bald zu einem Spaziergang und dass er auch real wirklich gut aussah und dabei so viel jünger war als ich, machte ihn zu einer begehrlichen Trophäe. Abgesehen davon war er aber sehr schüchtern, traute sich kaum, etwas zu sagen, mit mir zu reden und siezte mich die ganze Zeit. Mir wurde klar, dass er von mir erwartete, meine dominante Rolle einzunehmen und Anweisungen zu geben, aber ich war zu sehr damit beschäftigt, meine Mütze zu richten und jung auszusehen.

Ich wollte eine Nacht mit ihm verbringen, er hatte an eine einstündige Session gedacht

Später offenbarte er mir per Mail seine Fantasien. Zum Schluss schrieb er, dass ich ihm die Luft abdrücken sollte und mir wurde komisch. Ich merkte, dass es mir selber tatsächlich nur um ganz normalen Sex ging, bei dem ich verwöhnt werden würde. Trotzdem wollte ich keinen Rückzieher machen. Wir verabredeten, uns in einem Hotel zu treffen und ich buchte ein Zimmer in einer stilvoll plüschigen Kiez-Unterkunft.
Am Abend vor unserem Treffen mailten wir noch einmal und es stellte sich heraus, dass wir komplett unterschiedliche Vorstellungen hatten: Ich wollte mit ihm die Nacht verbringen, er hatte an eine einstündige Session gedacht. Mitten in der Konversation verschwand er dann abschiedslos. Ich schrieb ihm noch, dass er zumindest seine Hälfte von der schon bezahlten Hotelrechnung übernehmen sollte, so, wie wir es vereinbart hatten. Aber er antwortete nicht mehr. Auch nicht, als ich ihn beschimpfte.

Gestern fiel mir die Rechnung wieder in die Hände. Und irgendwie passt sie in diese Zeit, in der nichts geht. Ich habe keinen Sex, bleibe auf meinen Träumen sitzen und das Geld wird immer weniger. Einzig die Liste der Ärgernisse wird länger. Er steht jetzt auch drauf.

M., 49

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