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Tatsachenreport


Eigentlich wollte ich ihn ja nicht wiedersehen. Wir hatten neun Jahre lang eine vor allem sexuelle Beziehung gehabt, ich verheiratet, er verheiratet. Wir hatten uns immer getroffen, wenn er aus dem Ausland nach Hause zurückkam. Lang und ausdauernd und mit viel Genuss haben wir´s gemocht.

Gegenseitig mochten wir uns auch, sehr sogar.

Dann ließ seine Frau sich scheiden. Gemeinsam zu leben war für uns nie eine Option gewesen. Mein Lebensmittelpunkt war in B. Und seiner in wechselnden Ländern. Trotzdem tat es sehr weh, als er eine Frau kennenlernte, sich in sie verliebte und klar war, dass sie seine Neue würde.
Ja, es tat weh. Die Neue war 15 Jahre jünger als er, ich acht Jahre älter. Widersprüchliche Gefühle überschwemmten mich. Einerseits fühlte ich mich abgelehnt wegen meines Alters, wie ich dachte, andererseits war klar, dass ich nie seine Feste hatte werden wollen. Damals war ich 65.

Also, ich wollte ihn nicht wiedersehen … auch nicht, als er jedes Mal, wenn er in B. war, anrief und mich treffen wollte. Das ging sechs Jahre lang so. Auch meine Ehe ist inzwischen geschieden, und ich habe mit 70 Jahren einen alten Freund wiedergetroffen und mich verliebt. Wir sind zusammen, wenn auch auf Entfernung. Und, naja, das mit dem Sex ist so eine Sache. Er ist entspannt, weil keine Eile besteht. Geht ja alles nicht mehr so schnell. Das Zusammensein ist sehr zärtlich und er kümmert sich rührend um mein Wohlbefinden, multiple Orgasmen eingeschlossen. Aber er leidet doch darunter, dass seine körperliche Leidenschaft nachlässt. Und es ist eben nicht so wie mit P..

So also stand es, als in diesem Dezember, nach diesem Sommer, dem letzten Winter, dem letzten Sommer und dem Winter davor wie üblich der Anruf kam: „Ich möchte dich unbedingt sehen.“
Ich war neugierig auf ihn und sein jetziges Leben, dachte, „na, ein Bier zusammen geht doch! “ Sagte auch, dass ich nicht zum Vögeln käme, und ließ mich einladen. Ich war natürlich auch geschmeichelt und wollte sehen, was hinter seinen Anrufen steckt. Wiedersehen wollte ich ihn ja eigentlich nicht. Aber dann stand ich am Bahnhof, wurde in die Arme genommen und mit den Worten:  „Ich hatte Angst, du würdest nicht kommen“ gedrückt. Dann wurde erzählt und gegessen und getrunken. Sofort war „es“ wieder da, was immer es ist: Vertrautheit, Sympathie, die berühmte Chemie und schöne Jahre zusammen im Bett, Körper, die sich anziehen. Und natürlich war auch die Option, nach all dem zu gehen und so zu tun, als wäre da nicht noch was gewesen, keine Option mehr.

Das mit dem Nichtwiedersehen hatte sich nun schon erledigt. Also machten wir ohne Kleider weiter.
ES WAR WIE HEIMKOMMEN. Es war so schön, begehrt zu werden. Es war so schön, verwöhnt zu werden. Es war so schön, diesen großen Körper ganz für mich zu haben, den ich noch genauso gut kannte wie vor sechs Jahren. Es war herrlich, auf diese Art angefasst zu werden, die ich so geliebt hatte, seine Inbrunst zu sehen. Es war liebevoll und sexy. Es gibt wenige Männer, die sich hingeben können. Er ist einer davon. Aus dem Abend wurde eine Nacht und Sex vor dem Frühstück mit einer – ich gebe es zu – etwas ramponierten Scheide. Frau ist ja nicht mehr 27. Dann das Tschüss.
Trotzdem habe ich nichts bereut, weder im Kopf noch im Herzen noch untenrum. Mit warm geliebter Seele und ebensolchem Körper bin ich losgezogen.


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