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Na fein!

Sylvia Heinleins Wochenjournal über die Stürme im Wasserglas des Alltags. Diesmal: Selbstgespräche, klärende Listen und ein Hubschrauberflug in die Südsee

Kaum nestelt der fesche Arzt an ihrer Mantelschlaufe, träumt Frau Heinlein von einem Leben unter Palmen

Nach einem eingängigen Selbstgespräch ist die Marktlücke gefunden: gute Wechseljahrsjokes

                                    

Wenn ich mit mir selber spreche, sagte ich meistens Dinge, wie „naja, Du weißt ja, wie alles läuft“ und antworte „nein, weiß ich nicht.“ So verplaudere ich die Tage, auf meinem kleinen Ruderboot, mit dem ich jeden Morgen unverzagt werweißwohin steuere. Nur selten werde ich etwas ungeduldig. Neulich auf dem Klo brüllte ich durch die geschlossene Tür: „Hey! Das Papier ist alle! Kann sich hier mal jemand kümmern?! Irgendjemand?!“ Ich wohne alleine, wollte es aber immerhin mal versuchen.

Anderer Versuch: bekomme ich die Wechseljahre eventuell durch eine Liste in den Griff? Mithilfe einer ganz normalen Liste, wie eine Einkaufsliste eben, die das Ganze übersichtlicher macht? Nach einigen Tagen des Nagens am Thema meine sechs markantesten Gedanken:

  • Sooo schlimm war das mit dem Geblute nun auch wieder nicht.
  • Es gibt ja auch ganz leichte Antidepressiva, die nicht abhängig machen.
  • Lippenfalten unterspritzen – eigentlich okay, mit der richtigen, lässigen „eigentlich brauche ich das nicht, aber, eh…sag schon“ – Einstellung. 
  • Brüste straffen brauche ich so gesehen auch nicht.
  • Kann mal jemand helfen kommen? 
  • Wenn ich jetzt NOCHMAL fünf Stunden google, finde ich DANN eine Seite mit LUSTIGEN Menopause-Witzen?!

Ich entdecke eine Lücke für ein keckes Start Up

Niemand muss sich ins Internet begeben, um dort nach guten Wechseljahresjokes zu fahnden – es gibt keine, vertraut mir. Danach habe ich nach Sexwitzen von Frauen gesucht und Helene Bockhorst (https://www.youtube.com/watch?v=dvYZQ_FioeQ) gefunden, sie ist einen starken Hauch jünger als wir. Ältere Comediennes machen keine coolen Sexwitze, anscheinend möchte niemand die hören. Außer Frauen in meinem Alter, so gesehen ist da noch eine Lücke für ein keckes Start Up. Hier jedenfalls ein Witz von Bockhorst, ich gebe den ungefiltert und kursiv geschrieben weiter – man kann ihn also einfach überlesen, denn letztendlich ist dies eine fürsorgliche Kolumne. „Einmal hat mir ein Mann beim Sex gesagt „Ich ficke Dir Dein Hirn raus, mit meinem riesigen harten Schwanz. Und ich dachte ‚Okay, guter Hinweis. Das hätte ich sonst nicht unbedingt gemerkt.‘“

Er ist Arzt. Ich lass ihn durch

Kommen wir zu Abenteuern. Sie lauern immer und überall. Mein aufregendstes und gefährlichstes Erlebnis in diesem jungen Jahr: Ich verließ das Sprechzimmer eines feschen Arztes, auf dem Weg zur Tür nestelte ich an meinem Trenchcoat-Gürtel herum. Er war aus seiner hochspeziell designten, tunnelartigen Schlaufe gerutscht und so viel war klar: dorthin zurück bekomme ich ihn in diesem Leben nicht mehr. Der Arzt trat dicht neben mich und sagte, was ich mein Leben lang nur aus Filmen kannte: „Lassen Sie mich durch. Ich bin Arzt!“ Dann führte er den Gürtel mit Chirurgen-Geschick an seinen Platz – es war ein schöner, kleiner Moment und wenn ich es recht erinnere, stiegen wir danach in einen Hubschrauber und flogen auf eine Palmeninsel.



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