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Na Fein!

Sylvia Heinleins Wochenjournal über die Stürme im Wasserglas des Alltags.
Diesmal: GROSSGESCHRIEBEN

Tanker beobachten. Übers Internet. Auch so ein Hobby

HILFE, eben habe ich beim Online-Shoppen eine Seite als „schöne bequeme Schuhe“ unter meinen Favoriten abgespeichert. Gute Güte, so weit ist es gekommen! Bald sitze ich beim Unkrautzupfen womöglich auf einem Höckerchen, auch etwas, von dem ich früher wusste, dass ich es niemals tun werde. Tragisch geht’s weiter: Soeben verließ mich ein bewährter Liebhaber per WhatsApp, die Form ist nicht tippi toppi, aber wir pflegen sie beide schon seit Jahren so. Bestürzender ist der aktuelle Trennungsgrund, oh, meine Luder, der GRUND! Bislang waren es immer moralische Skrupel, absolut okay, meiner Meinung nach. Aber dieses Mal, erschütternd und ganz furchtbar: Er sei nicht mehr geil genug, grundsätzlich, Testosteronmangel wohl oder das Alter. Ich schrieb sofort zurück, dass das so nicht ginge, aber die Sache war nicht mehr zu ändern. HERRSCHAFTSZEITEN, ein bisschen DISZIPLIN bitte! Unlust, auch meine eigene, ist ein absolut ernstes Thema – aber ich selber knutsche und sexe mich doch auch tapfer durch die Tage, und zwar NICHT, weil ich geil bin, sondern weil man an gewissen Sachen eben DRANBLEIBEN muss! Gymnastik, mal ein Glas Wasser trinken oder spontan mit Menschen sprechen … ich mache ALLES MÖGLICHE nicht aus purem Spaß! MENNO!! Merkste selber, oder?!

Sorry, es bleibt männerlastig heute, mich treibt das Thema um. Wie eine Freundin sagte: „Ich brauche einfach nur etwas männliche Energie an meiner Seite.“ (Wer die nicht braucht, ersetzt „Mann“ und „männlich“ bitte durch „Plüschäffchen“, „plüschäffchenhaft“ oder sonst etwas Beliebiges.)

Also weiter im Takt: Neulich habe ich einen Mann mit einer hinreißend maskulinen Liebhaberei kennengelernt. Per App verfolgt er Schiffs-Routen, kürzlich schickte er mir sein Schiff des Tages, einen Tanker, der gerade in Hamburg lag, die MS Agilisaos. Zuvor, berichtete der Mann, habe sie vier Tage in Port Gentil in Gabun Station gemacht und davor Ende Mai für vier Tage in Lomé, an der schönen togolesischen Küste. Sie sei keine ins Auge fallende Schönheit, schrieb der Mann weiter, zeige aber Ebenmaß und Charakter. Er berichtete noch mehr über den Tanker, aber nicht zu viel, er hat nämlich Gespür für sein Publikum. Eigentlich ist es mir tatsächlich komplett wumpe, was Männer mir schreiben, es muss nur gut gemacht sein.

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