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My Tipsy Hat

Alkohol? Unbedingt. Und dabei gut behütet. Silke Burmester lernt das stilvolle Trinken

Wie Frau Kupsa immer sagt: „… und Abfahrt!“
(Foto + Montage: Brigitta Jahn)

Ein warmes Schlückchen Mexiko

Wenn ich mich recht erinnere, war die Ausgangsbasis für diese Kolumne der Gedanke, nicht mit 84 fröhlich ins Grab zu kippen und festzustellen, dass ich die hübschen Anlässe in meinem Leben nicht gebührend gekleidet begangen habe. Und die Idee, sich Anlässe zu schaffen, um all die schönen Hüte, die die Modistin in der Nebenstraße anpreist, zur gebührenden Kleidung hinzuzufügen. Um dann zur Vollendung Fachfrau Betty Kupsa zu fragen, welcher Drink das Ensemble „Frau mit Hut“ vervollkommnet. Nun zeichnen sich diese Monate ja vor allem durch das Nichtvorhandensein von Anlässen aus. Und dieser Märztag obendrein durch das überraschende und völlig überflüssige Rieseln von Schnee. Da kann die Frau mit Lebenshunger nun den Kopf auf die gefrorene Erde hauen oder aber überlegen, wie dem ganzen Elend ein Schnippchen zu schlagen sei.

Das Schnippchen ist ein Schnäpschen

Das Schnippchen steht im Kühlschrank und ist ein Schnäpschen. Oder besser gesagt, ein Tequila Margarita. Denn Betty Kupsa, preisgekrönte und sagenumwobene Flüssigkeitskompositeurin, hat vor Kurzem ihren ersten eigenen Drink auf den Markt gebracht. Betty to go, quasi. „Lupita Margarita“. Ein fruchtiger und einfach nur „köstlich!“ zu benennender, flaschenfertiger Cocktail auf Hibiskus-Basis, der – Frau von Welt und Erfahrung kann es nicht anders sagen – knallt wie Frösche an Silvester.
Und weil das anlasslose Trinken auch eine Frau von Welt und Erfahrung per Schleudersitz in die Trunksucht führt, schau‘ ich mal, ob es nicht einen Grund gibt, sich in diesen trüben Tagen auf eine gedankliche Reise nach Mexiko zu begeben, dem Sehnsuchtsort von Betty, wo sie an Kakteen geleckt und sich durch die Familie der Mezcal-Würmer geknuspert hat, um den Ruf einer Mexiko-Kennerin der Extraklasse zu erwerben.

¡Viva el pollo!, wie der Mexikaner sagt

Und ja, es gibt ihn, den Grund, sich einen einzuschenken! Gleich zwei Mal feiern die Mexikaner im März den Geburtstag von Benito Juárez, dem großen Reformer und Modernisierer des Landes. Nun hoffe ich, dass der nicht nach seiner Ernennung zum Helden das Volk gemeuchelt oder den Frauen die Abtreibung verboten hat, um mit meiner Anlasswahl alles falsch zu machen. Ich würde den Zorn der Alles-politisch-korrekt-machenden-Linken auf mich ziehen, die mich zuerst mit Hohn und Spott übergießtenund dann mit Salsa, um mich auf offener Straße mit Tacos zu bewerfen.
¡However!, wie der Mexikaner sagt, ¡Viva el pollo!, ich kann nicht auf alles Rücksicht nehmen.

Sind so kleine Gläser… singt Bettina Wegner in meinem Kopf

Die leuchtend rote Lupita Flasche kommt frostig schön aus dem Gefrierfach, die Heizung steht auf fünf. Aus Ulla Machaletts Sommerkollektion habe ich mir einen bunt bestickten Strohhut zuwerfen lassen, aus dem Keller den Liegestuhl hochgeholt, Calexico im Ohr und los geht´s.

Um mal mit dem Gemeinen anzufangen: Lupita schmeckt so gut, da fällt es schwer, nicht einen nach dem anderen zu trinken. Sind so kleine Gläser … geben nicht viel her (Bitte mit Bettina Wegners „Sind so kleine Hände“-Melodie im Kopf lesen). Und dann wirkt er spärlich … macht erst später wumm. Das aber umso doller … Also, um es kurz zu machen: sehr, sehr lecker der Stoff – sehr, sehr besäuselt die Dame im Liegestuhl. Aber irgendwie nicht ganz zufrieden. „Mexiko geht anders“, denke ich, „da fehlt was“. Das, was es nur gibt, wenn es wirklich heiß ist. Und ich merke, mir fehlt ein sanfter, warmer Wind. Der, der durch die Haare weht und das Gefühl von Leichtigkeit um die Ohren sausen lässt. Der Träume bringt von Ferne und Erfüllung. Aber ich wäre nicht eine Frau von Welt und Erfahrung, wenn ich für diesen Mangel nicht eine Lösung parat hätte. Sie hängt im Bad und man nennt sie Föhn.


So mischt die Betty

Lupita Margarita
auf Eis servieren oder die Flasche im Eisfach lagern


Heute wird mal nicht gemixt, denn Frau Betty hat das für uns bereits getan. Monatelang hat sie ihre Umgebung mit Versuchen und Verkostungen gequält, um dann diesen absolut perfekten Mix in Flaschen zu füllen. Bestellungen hier


Rotkäppchen-Designs Vor zwölf Jahren hat Ulla Anna Machalett ihr Hutgeschäft in Hamburg eröffnet und seither zieren die tollsten und die dollsten Kreationen die Schaufenster. Ihre Kund*innen kommen von weither und ordern mitunter telefonisch – so sehr vertrauen sie den Fähigkeiten der Modistin. Für „My Tipsy Hat“ stellt sie ihre Stücke zur Verfügung.
rotkaeppchen-designs.de

The Chug Club heißt die Bar von Betty Kupsa. Betty wurde mit und ohne Bar ausgezeichnet, mit Lorbeer behängt und über den grünen Klee gelobt. Für uns und die Frage, „Welcher Drink passt zum Hut?“ ist Betty ein Geschenk, denn sie hat eine irre Gabe: Sie schmeckt quasi im Kopf vor und schüttet dann zusammen, was bis dahin getrennt war. Jetzt hat sie mit »Lupita« ihre eigene Margarita-Linie kreiert, die natürlich alsbald im Palais-F*luxx-Shop erhältlich ist.

Pia Norberg hat für die Fotoproduktion Haare und Make-up verantwortet – womit Frau Burmester sich in bewehrten Händen weiß. Nicht nur, dass Pia Norberg als Maskenbildnerin die Bühnen-Darsteller*innen der Aida-Schiffe darin schult, die Schminke so aufzutragen, dass sie mit Pariser Showgirls konkurrieren können, Pia hat auch beim klassischen Theater rauf und runter geschminkt. Und – und das ist vielleicht der ultimative Beweis, dass diese Frau alles zu bändigen weiß – sie hat sechs Jahre lang den Ballerinas von John Neumeiers Tanztruppe die Haare zu ultimativ haltenden Knoten gewunden.

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