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Lesen oder Lassen?

Buchbesprechung

Gute Unterhaltung in einem ungewöhnlichen Umfeld.
Der Satz ist aus der Rezenison. Und passt wie Körbchengröße C

Worum geht es?

Ein Thriller, der in der Welt großartiger Frauen spielt – das müssen wir doch einfach lesen. Es geht um Eleanor, die Gründerin eines New Yorker Co-Working Spaces und ihre drei Freundinnen Hana, Katie und Micki. Alle Frauen wollen Mitglied werden bei The Herd, denn hier kann man nicht nur arbeiten, sondern sich auch bei Yoga und Cocktails mit anderen klugen und besonderen Frauen vernetzen. Eines Abends verschwindet die glamouröse und geheimnisvolle Chefin des Ladens und die drei Freundinnen machen sich auf die Suche und rühren dabei auch in uralten Geschichten, die sie längst vergessen wollten. Jede einzelne hat etwas zu verbergen.

Was kann das Buch?

Gute Unterhaltung in einem ungewöhnlichen Umfeld. Es gibt einen Ehemann und einige Liebhaber, aber die eigentliche Geschichte dreht sich um Frauen. Zunächst einmal ist das der Thriller, die Rätsel um die verschwundene Eleanor und ihre Geheimnisse. Dann aber geht es auch um Frauen untereinander, um ihre Eifersüchteleien, um Neid und Missgunst, um das unbedingte Gefühl, einer ganz bestimmten Gruppe von Frauen angehören zu wollen. Das Buch kann unterhalten, aber auch durchaus Denkanstöße geben.

Warum sollte mich das interessieren?

Ein Thriller für die Gartenliege ist ja meistens eine gute Idee. Während einem die Sonne auf den Pelz brennt, einfach mal in ein winterliches New York abtauchen, das ist vielleicht genau die Erfrischung, nach der ihr gesucht habt? Perfect Woman erzählt von einer Gemeinschaft von Frauen, die vielleicht doch keine ist. Nur mit Frauen zusammenzuarbeiten, ohne dass Männer eine Rolle spielen, das ist hier auch nicht möglich. Da gibt es den Ehemann der einen, den alten Freund der anderen, die eine Rolle spielen und die weibliche Gemeinschaft ganz schön durcheinanderbringen. Wie im richtigen Leben.

Warum ist die Autorin interessant?

Andrea Bartz lebt in Brooklyn, New York und arbeitet als Journalistin (schreibt unter anderem für das Wall Street Journal, Cosmopolitan und Vogue), so wie eine ihrer Protagonistinnen. Neben ihrer Arbeit als Autorin beschäftigt sie sich auch mit vielen anderen Dingen, die man zum Teil verfolgen kann auf ihrem Blog. Nach »Flashback« ist dieses ihr zweiter Thriller.

Kostprobe:

„Wenn du eine Frau bist, reicht ein Fehler, und schon bist du nichts mehr wert. Eigentlich wartest du nur darauf, dass man dir alles wegnimmt, während du dir ein Bein ausreißt, um zu bewiesen, dass du etwas wert bist, und dich wie verrückt bemühst, von allen gemocht und respektiert zu werden. In der Arbeit, in der Freizeit – Scheiße, nimm zum Beispiel The Herd: wie die Frauen darum betteln, dreihundert Dollar im Monat für die Mitgliedschaft in einem Frauenbüro ausgeben zu dürfen, obwohl man dort trotzdem erwartet, dass sie sich schick anziehen und schminken, immer hübsch lächeln und sich anpassen, und wenn du deinen Lippenstift verschmierst, irgendwas Falsches sagst oder auf der Toilette furzt, kannst du dir die Kugel geben.“

Andrea Bartz, Perfect Woman, aus dem Amerikanischen von Frank Dabrock, Heyne, 448 Seiten, 10,99€

Rezension: Anja Goerz

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