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Palais F*luxx

Online-Magazin für Rausch, Revolte, Wechseljahre

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Lesen oder Lassen?

Buchvorstellung: „New York und der Rest der Welt“

Worum geht es?
Um alles und nichts: das Rauchen. Das Leben in New York. Kinder. Freunde. Besuche ohne Vorankündigung. Essen. Das Rauchen. Mode. Sport. Dinge. Das Rauchen.

Die gesammelten Kolumnen der Autorin, auch die, die sie in den 1970er- und frühen 80er-Jahren für Andy Warhols Zeitschriften „Interview“ und „Mademoiselle“ geschrieben hat, erscheinen in diesem Buch zum ersten Mal auf Deutsch. Fran Lebowitz schreibt über ihr Leben und über alles, was darin vorkommt. Sie bewertet, ordnet ein und motzt. Das macht sie sehr, sehr lustig, böse und auf den Punkt.

Was kann das Buch?
Ablenken kann es. Man verliert sich so wunderbar in den Gedanken von Fran Lebowitz, dass man alles um sich herum vergisst und ein bisschen fröhlicher wird. Ich empfehle gegenseitiges Vorlesen. Wer begeistert war von „Pretend It’s a City“ auf Netflix, wo nichts anderes passiert, als dass der Regisseur Martin Scorsese sich mit Lebowitz zum Unterhalten trifft, der bekommt hier das Sequel. Wer je in New York war, wird sich fühlen wie bei einem Besuch hinter den Kulissen eines besonders schrägen Boulevard-Theaters. Die Intendantin dieses Etablissements stellt uns alle vor: die Putzfrauen, die Barkeeper, die Eltern, die Künstler, die Wohnungssuchenden.

Warum sollte mich das interessieren?
Weil es dabei hilft, die Welt – und auch sich selbst – mit anderen Augen zu sehen. Fran Lebowitz lässt ihre eigenen Macken nicht aus, wenn sie über die Eigenarten des menschlichen Miteinanders schreibt. Vielleicht sind unsere Spleens einfach der Teil von uns, der uns ausmacht? Warum also damit aufhören zu rauchen, an Regentagen im Bett zu bleiben, kein Handy zu haben, wenn man damit keinem anderen Menschen schadet? Für mich ist diese Ansammlung von Beobachtungen auch der Hinweis darauf, wie großartig unsere Welt erst durch all unsere Unterschiedlichkeit ist (Typen wie Putin ausgenommen). Wie viel Witz und Unterhaltungswert in vielem steckt, das auf den ersten Blick vielleicht nervt.

Warum ist die Autorin interessant?
Fran Lebowitz kannte ich nicht, bis ich durch Zufall auf die Miniserie „Pretend It’s a City“ bei Netflix stieß. In sieben Folgen der Interviewreihe reflektiert die 71-jährige Autorin über Freizeitaktivitäten in einer Großstadt, Immobiliendeals und ihre Zeit mit Andy Warhol. Interviewt von ihrem Freund, dem Regisseur Martin Scorsese (der aber meistens lacht statt zu fragen), präsentiert sie sich als eine Frau, die das Leben genießen und dabei nicht gestört werden will. Role Model vom Feinsten für uns Leuchtende.
Wie man das mit Büchern aber ohne Internet, mit Nikotin aber ohne E-Zigaretten oder mit Besitz aber ohne Liebe zu Geld hinbekommt – seht selbst. Die Serie ist nach wie vor bei Netflix verfügbar.

Kostprobe:
Tut mir leid, keine Kostprobe. Ich kann keine der besten Passagen aussuchen, weil ich immer nach zweimal Umblättern eine noch bessere finden würde. Deshalb heute an dieser Stelle nur die Aufforderung: Lest das Buch!

Fran Lebowitz: „New York und der Rest der Welt“, übersetzt von Sabine Hedinger & Willi Winkler, Rowohlt Verlag, 352 Seiten, 22 Euro. Hier bestellen

Rezension: Anja Goerz

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