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Grüße aus der Welt

… von Emmi Bering, 57, aus den Niederlanden, wo sie drei Monate mit ihrem Hund im Wohnwagen lebt, weil sie ziemlich krank war und jetzt langsam wieder zu sich kommt

Jeden Morgen will am Strand etwas gefunden werden.

Mittlerweile laufe ich wie Forrest Gump die Wasserkante entlang. Endlos. Immer barfuß genau durch den Saum, wo sich das angespülte Meereswasser mit dem Sand zu Strand verkräuselt. Das trainiert alles ungemein, die Beinmuskulatur, die Sprunggelenke, den Gleichgewichtssinn, auch weil man immer hier und dort einsackt oder einer Muschelbank die Stirn baren Fußes bieten muss. Aber mehr als alles andere ist diese Art zu Laufen ein Liberator. BigBangBams. Alles löst sich auf, das Schwere zerrinnt mit jedem Tritt, weggesplattert, fortgespült, aufspritzend erfrischend, nervenkühlend, himmelweit nur Herrlichkeit. Ich laufe und laufe und fühle mich federleicht, eins mit allem, keine Schmerzen, nichts Denkendes, nur Dasein, keine Sorgen, keine Atemnot, kein klötender Herzschlag, nur Meeresrauschen, keines mehr im Ohr, und Wind, sausend, tosend oder lau. Im Sport-BH verstaue ich derweil die schönsten Schätze, die man einfach nicht übersehen kann. Immer geht es mit einem muscheldrapierten Gaultier-Bustier zurück oder mit so´nem nüdelichen Plastikhund in der Hand.

Zur Köstlichkeit des Morgens: Histaminbefreite Schale Grütze, Tee, Zeitung und Buch. Was für ein unfassbar schöner Tagesbeginn. Mehr braucht es schon nicht. So kommt man heile durch den Tag. Wären da nicht Pudeleltern und Pissnelken, die ungeniert tun, was Menschen ohne Gespür so tun: nerven. Aber das ist das Leben. Soweit kann auch ich nicht fortlaufen. Nimm es an, als triefend blödes Widerlager zur tiefen Schönheit des Lebens. Man kann nicht alles haben. Aber das, was man hat, wenn es gut tut und heilt, muss man ehren und bewahren, im Zweifel sich erwehren. Wir bleiben wehrhafte Tiere. Pudel müssen es dennoch nicht sein.


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