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F*luxx Galerie | Tanja Selzer

Tanja Selzer

Über den Vorteil, alles falsch zu machen.
Natürlich hat Tanja Selzer, 49, nicht alles falsch gemacht, sonst würde sie uns nicht mit Bildern beglücken können, die in ihrer Intimität und Erotik gerade den weiblichen Blick herausfordern.

Der Künstlerin geht es darum, den Augenblick einzufangen, in dem Menschen vergessen, dass sie beobachtet werden.
Wenn man Tanja Selzers Bilder näher betrachtet, sieht man, wie sich die Körper in die Landschaft/Natur integrieren, geradezu auflösen. Die Künstlerin ist auf der Suche nach dem Zustand der Entrückung, dann, wenn die Akteure das äußerliche Beschautwerden hinter sich lassen und sich nur dem Akt hingeben. Genau das ist der Moment, in dem Voyeurismus zur weiblichen Betrachtung wird. Der Augenblick, in dem die Emotion sichtbar wird.
Foto: @René Fietzek


Eine Auswahl

Gab es ein Leben vor dem Künstlerinnendasein?
Ja. Auf dem Land, in der Kleinstadt, mit starkem Freiheitsdrang und Sehnsucht nach der großen, weiten Welt.

Welches Thema beschäftigt Dich und Deine Kunst?
Der weibliche Blick auf Erotik. Ich arbeite mit Stills aus Pornofilmen – durch die Verwandlung in Malerei verändert sich die Wahrnehmung.

Manche Künstler*innen sagen, ihre Arbeit sei körperlich sehr anstrengend. Und, tut was weh?
Ich finde es eher mental herausfordernd. Ich muss mich fürs Malen unheimlich konzentrieren, das ist anstrengend. Manchmal bei großen Bildern tut schon auch mal der Arm weh.

Welches war Dein Aha-Erlebnis in puncto Kunst?
Da gab es eine ganze Reihe. Aber wichtig war sicher meine Kunstlehrerin in der Oberstufe, die mir gesagt hat, dass ich Talent habe, und mich dann gefördert hat. Vorher hatte ich diese Idee überhaupt nicht, dass ich Künstlerin sein könnte.

Gibt es in Bezug auf Deine Arbeit ein Versäumnis, über das Du Dich ärgerst?
Ich denke, ich habe so ziemlich jeden Fehler gemacht, den man in einer Künstlerkarriere machen kann. Ich sage immer, ich wäre ein super Coach für angehende Künstler*innen, weil ich genau weiß, wie man es nicht machen sollte. Dadurch ist meine Entwicklung sehr langsam gewesen. Aber man kann nur den eigenen Weg gehen und der ist auch dann genau richtig so. Bei mir war das eben nur mit viel Scheitern verbunden und das ist manchmal schwer auszuhalten, aber daraus habe ich viel gelernt.

Wenn Du nicht künstlerisch arbeiten würdest, würdest Du…
…gerne singen können

Welche (Kunst)-Ikone würdest Du gern treffen? Worüber würdest Du mit ihr reden wollen?
Marina Abramovic
Über ihre telepathischen Erfahrungen mit den Aborigines.

Falls Du eine unvollendete Arbeit hast, bei der Du nicht sicher bist, ob Du sie fertigstellen wirst, welche ist das?
Die Arbeit heißt „White sandals“ und zeigt einen ziemlich expliziten Dreier. Es geht mir ja auch darum, dass Körper und Natur durch die Malerei miteinander verschmelzen. Ich weiß nicht, ob ich das bei diesem Bild noch hinbekomme.

Was ist dir heilig?
Mein Atelier

Was lässt Dich leuchten?
Die Malerei, meine Familie, Yoga, Schönheit, Natur, Essen, guter Sex.

Lernen von den Fortgeschrittenen:
Die Muse küsst ja nicht zu jeder Minute am Tag. Womit lässt Du Dich in so einem Moment der inneren Leere inspirieren?
Drogen sind nicht gut fürs Malen, bei mir zumindest nicht. Ich trinke nicht einmal mehr Wein, wenn ich male.
Musik ist auf jeden Fall wichtig, ich höre immer Musik dabei, je unterschiedlicher, desto besser. Und Kunst anschauen. Wenn es gar nicht weitergeht, gehe ich ins Museum, die Galerie oder hole mir einen dicken Kunstband. Manchmal hilft es aber auch einfach, einen neuen Pinsel kaufen zu gehen. Den muss ich dann ja auch gleich ausprobieren.

Unsere Galerie wird von Silke Tobeler kuratiert.

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