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F*luxx Galerie | Aino Nebel

Aino Nebel

Für Aino Nebel gibt es keinen Plan B. 
Kein Rechts oder Links nur der Ton, das Material, das auch ein Pinsel sein kann, in ihren Händen. Über Instagram rief Aino Anfang des Jahres dazu auf, ihr übriggebliebenes Gold zu bringen, um Stroh zu Gold zu spinnen.
Aino Nebels Werke und ihr Arbeitsprozess erinnern an Alchemie. Holzwolle wird keramisiert und glasiert, woraus porzellanartige Nester entstehen. Blütenreste werden in Ton gemischt und ätherische, sphärische Objekte aus dem sonst so erdigen Stoff geboren. Die große Frage, die Aino bei ihrem Schaffensprozess umtreibt: Wann und warum Werte entstehen und wie sie sich in Objekten manifestieren. Die gebürtige Berlinerin, Jahrgang1971, lebt in Köln-Ehrenfeld und widmet sich in ihrem Atelier mit Hand, Herz und Hirn der Metaphysik des Materials. 

Eine Auswahl



WER WIE WAS WIESO WESHALB WARUM

Manche Künstler*innen sagen, ihre Arbeit sei körperlich sehr anstrengend. Und, tut was weh? 

Ja, es ist körperlich anstrengend. Manchmal fühle ich mich von der Keramik regelrecht angegriffen: Der Staub, das Gewicht, die giftigen Dämpfe… und immer Chaos im Atelier, das ist nicht nett.

Welches war Dein Aha-Erlebnis in Punkto Kunst? 

Das gab es für mich nicht. Kunst ist ja, wenn man es genau bedenkt, allgegenwärtig. Die Auseinandersetzung damit war und ist eine stetige, meist stille und unbewußte Entwicklung.

Gibt es in Bezug auf Deine Arbeit ein Versäumnis, über das Du Dich ärgerst? 

Ich habe versäumt, Karriere zu machen. Aber ob mich das ärgert? Bis jetzt waren andere Dinge wichtiger.

Wenn Du nicht künstlerisch arbeiten würdest, würdest Du…

…. ich glaube man arbeitet nur künstlerisch, wenn es keinen Plan B gibt…

Welche (Kunst)-Ikone würdest Du gern treffen? Worüber würdest Du mit ihr reden wollen? 

Ich kann mir dazu nichts vorstellen. Es ist nicht leicht, mit jemandem zu reden, mit dem man nicht vertraut ist. Die Person ist ja nicht identisch mit dem Werk, das man schätzt. Eigentlich interessiert mich das Zusammentreffen mit anderen (Künstlern) nur auf der Ebene der Zusammenarbeit. Also auf Augenhöhe und im Austausch.

Falls Du eine unvollendete Arbeit hast, bei der Du nicht sicher bist, ob Du sie fertigstellen wirst, welche ist das? 

Alles ist eine einzige unvollendete Arbeit. Ich arbeite nicht an einzelnen Ideen, die ich umsetze und fertig stelle. Jedes Objekt, jede Zeichnung ist ein Zwischenzustand, der neue Fragen aufwirft. Alles wächst miteinander und bedingt sich gegenseitig. Viele Dinge bleiben auf der Strecke, werden verworfen, zerlegt, das ergibt dann Material für etwas Neues. Manchmal ereignet sich durch eine Ausstellung ein Moment der Ruhe und dann sind die Dinge unantastbar. Und dann ist es wieder vorbei…

Was ist dir heilig?

Mein Atelier

Was lässt Dich leuchten?

Die Liebe

Wenn Du Kölner Bürgermeisterin wärest, was würdest Du als Erstes veranlassen?

Autos raus, Bäume rein in die Stadt. Aber diese Phantasie setzt voraus, dass man als Politiker wirkungsmächtig wäre – was nicht der Fall ist. Also doch lieber Künstlerin bleiben.

Lernen von den Fortgeschrittenen: Die Muse küsst ja nicht zu jeder Minute am Tag. Womit lässt Du Dich in so einem Moment der inneren Leere inspirieren?

Das Einzige, was zu neuen Ideen und Arbeiten führt, ist die Arbeit selbst, leider… Wenn ich Yoga mache, kümmere ich mich idealer Weise um meinen Körper, nicht um Kunst. Wenn ich Ferien mache, bin ich völlig unkreativ. Ich kann nicht mal eine Skizze oder ein Foto machen, keinen halben Satz notieren. Deshalb reise ich ungern. Tatsächlich fühle ich mich nur im Atelier wirklich frei und gelöst, auch wenn die Muse gerade nicht zu Besuch ist.

Ainos Werke sind bis 15. Januar 2021 in unserer Galerie zu sehen oder analog und coronagerecht in einem kleinen Salon auf St. Pauli.
Kontakt: Silke Tobeler

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