Close

F*luxx Galerie | Swaantje Güntzel

Swaantje Güntzel

Die studierte Ethnologin und Absolventin der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, Swaantje Güntzel weiß mit Sicherheit, dass es in ihrer Arbeit kein Versäumnis gibt. Unter dem Titel: „Können Sie nicht mal was Schönes machen?“, stellt die Galerie Holthoff in Hamburg-Ottensen Swaantje Güntzels Werke seit dem 09. April 2021 aus. Betrachtet man die Arbeiten der Konzeptkünstlerin – eine vergoldete Warmhaltebox aus Styropor oder die poppig schöne Anna, die einen Armvoll Obst in ihren Armen hält – gefriert das Lächeln, weil man die Verpackungsnetze sieht und einen das leise Gefühl der Scham überkommt, für all die Verschwendung, die man selber lebt.

So muss Kunst sein. Anrühren. Verstören. Und im Idealfall macht frau danach etwas besser!

Foto: ©Tobias Hübel


Eine Auswahl

Gab es ein Leben vor dem Künstlerinnendasein?
Das gab es tatsächlich, wenn auch die Kunst von Anfang an irgendwie immer da war. In meiner Großfamilie gab es Künstler*innen, meine Eltern haben mich oft zu Ausstellungen mitgenommen, und ich war auf einer Schule, die einen Kunst-Schwerpunkt angeboten hat. Damit war Kunst auf eine selbstverständliche Art präsent. Trotzdem habe ich zuerst Ethnologie studiert und später in der Kulturabteilung des Goethe-Instituts La Paz in Bolivien gearbeitet. Obwohl mir mein Studium und auch der Job wirklich viel Spaß gemacht haben, hatte ich dennoch über Jahre das Gefühl, dass die Kunst mir näher liegt bzw. ich die Dinge, die mich umtreiben, über die Kunst besser ausdrücken kann. So habe ich dann erst mit Ende 20 die Entscheidung getroffen, den Job zu kündigen, wieder nach Deutschland zurückzugehen und die Weichen neu zu stellen.

Welches Thema beschäftigt Dich und Deine Kunst?
In meiner Kunst arbeite ich ausschließlich über das Verhältnis des Menschen zur Natur, insbesondere über die großen globalen Herausforderungen, die sich durch anthropogenen Klimawandel, (Plastik-)Müll, Artensterben und den daraus resultierenden psychologischen Folgen für die Menschheit ergeben.

Manche Künstler*innen sagen, ihre Arbeit sei körperlich sehr anstrengend. Und, tut was weh?
Ich bin neben meiner eigenen Kunst auch Teil des Künstlerduos Scheibe & Güntzel, das ich mit meinem Freund und Kollegen, dem Licht- und Performancekünstler Jan Philip Scheibe, bilde. In unserer gemeinsamen Arbeit realisieren wir oft große Projekte, in denen wir konzeptuelle Garteninstallationen oder ganze Äcker anlegen und über ein Jahr betreuen. Dazu gehören die Bodenvorbereitung, Zaunbauen und zum Teil sehr harte Gartenarbeit, das hat mich manchmal ganz schön an meine Grenzen gebracht.

Welches war Dein Aha-Erlebnis in puncto Kunst?
Die Beschäftigung mit den Arbeiten des Künstlers Santiago Sierra. Es gibt in meinen Augen kaum eine(n) Künstler*in, die/der mit einer vergleichbaren radikalen Wucht und Klarheit Dinge auf den Punkt bringt.

Gibt es in Bezug auf Deine Arbeit ein Versäumnis, über das Du Dich ärgerst?
Nein.

Wenn Du nicht künstlerisch arbeiten würdest, würdest Du …
So ein Szenario kann ich mir nicht vorstellen.

Falls Du eine unvollendete Arbeit hast, bei der Du nicht sicher bist, ob Du sie fertigstellen wirst, welche ist das?
Die Arbeiten, die mir wichtig sind, stelle ich alle fertig. Bei denen, die ich nicht vollende, treffe ich früher oder später die Entscheidung, sie zurückzubauen und wieder aufzulösen. 

Was ist dir heilig?
Mich nicht davon beeindrucken zu lassen, ob meine Kunst anderen gefällt.

Lernen von den Fortgeschrittenen:

Die Muse küsst ja nicht zu jeder Minute am Tag. Womit lässt Du Dich in so einem Moment der inneren Leere inspirieren? Drogen, Musik oder…?
An die Wand starren

Unsere Galerie wird von Silke Tobeler kuratiert.

Close