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Tatsachenreport

Versetzt

Ich treffe mich seit elf Monaten mit einem Mann zum Sex. Ich habe ihn über eine Onlineplattform kennengelernt. Wir hatten uns in einem Café zum Kennenlernen getroffen. Wir waren uns sympathisch, aber irgendwie hatte es bei keinem von uns bäm gemacht. Als wir auseinander gingen, sagte er, dass er sich nicht vorstellen könnte, mit mir zusammen zu sein, aber dass er gern mit mir ins Bett gehen würde. Ob ich mir das vorstellen könnte. Das konnte ich, denn tatsächlich finde ich ihn recht heiß. Seither treffen wir uns alle zwei, drei Wochen. Auch während Corona haben wir das getan. Der Sex mit ihm ist wirklich gut. Wir harmonieren total, und dass er ein wenig forscher ist, als ich und mich dazu bringt Sachen auszuprobieren, etwa, dass er mir die Hände fesselt, gefällt mir.

Deswegen sind unsere Termine auch immer mit einem leuchtenden V in meinem Kalender eingetragen. Wir treffen uns meist freitags um 19 Uhr bei ihm und an den Tagen versuche ich spätestens um 15.30 Uhr das Büro zu verlassen. So auch letzte Woche. Ich hatte den Termin zum Waxing auf Anfang der Woche gelegt, dass alle Rötungen bis Freitag verschwunden sind und schon morgens die Seidenwäsche rausgelegt, die ich anziehen wollte. Ich lass mir dann nach dem Büro ein Bad ein und peel nochmal meine Haut und mach die Füße schön und irgendwie ist das immer schon die halbe Miete. Schon Mittwoch, Donnerstag freu ich mich, als würde ich zum Wellnesswochenende fahren, freitags wandelt sich die Freude erst in ein leises Kribbeln, und wenn ich dann losstiefel, ist meine Vulva schon schön geschwollen. Ich muss an diesen Tagen nur an den Abend denken und könnte schon kommen.

Und so stand ich letzten Freitag vor seiner Tür und hab geklingelt. Und er öffnet die Tür. Und im Hintergrund sieht es aus wie in der Werbung. Vier, fünf Männer im Wohnzimmer, mit Bierflaschen in der Hand und laut. Seine Jungs vom Rudern. Er hatte mich vergessen. Er hat einfach nicht mehr an unsere Verabredung gedacht.

Es ist das eine, versetzt zu werden. Aber total ausstaffiert, mit geschwollener Vulva vor einer Wohnungstür zu stehen, während hinten Bierflaschen geöffnet werden, um dann mitzubekommen, dass man leider vergessen wurde und in dieser ganzen Aufbrezelung, mit der Flasche Schampus in der Hand, wieder abzuziehen, ist was anderes. Es ist einfach scheiße

F., 55 Jahre


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