Close

Na fein!

Sylvia Heinleins Wochenjournal über die Stürme im Wasserglas des Alltags. Diesmal: Vertraut der alten Lady!

Frühling: Hormone schütteln, Kleider mit Perwoll waschen und dolle Dinge tun

Hach! Frühling! Ich hatte gedacht, meine Hormone seien gestorben, über den Winter und die Wechseljahre – aber nein, ganz und gar nicht, sie tanzen und wollen, dass ich dolle Dinge tu. Deshalb muss ich ins Freie und alles andere vorher sehr zügig erledigen. Ich muss mich ohnehin beeilen, bevor mir wieder jemand meine aktuellste Erkenntnis wegschnappt und ein Dossier oder gleich ein dickes Buch drüber schreibt. Also:
Sophie Passmann – junge, klasse, respektierte Kolumnistin – schrieb vergangene Woche im ZEIT-Magazin einen ausführlichen Text darüber, wie elend alles sei. Weil nämlich sie und ihre Freund*innen privilegiert geboren und zudem langweilig seien. Dafür schämt sich das Jungvolk, kann aber eben nicht aus seiner Haut: „Die ganze Scheißkindheit eine einzige abgeschnittene Brotkruste. Meine Freunde und ich. Wer so groß wird, empfindet den ‚Tatort‘ natürlich als krass.“ Fatale Situation, sicher, aber Herrschaftszeiten, junge Frauen, tut jetzt bitte einfach, wozu ihr körperlich in der Lage seid und was euch zusteht. Klettert auf Bäume! Spielt im Dunkeln Verstecken im Park! Springt in einen kalten See! Betrinkt euch mit einer einzelnen Person eurer Wahl, nachts hinter den Büschen. All das hilft, ich habe Erfahrung. Vertraut der alten Lady, hier eine Geschichte von damals, als wir noch die Milch mit der Kanne vom Bauern holten: Ich war gestern endlich draußen baden. Es war milde und die Aktion von daher eher nur halb cool. Als es noch eisig war, konnte ich allerdings nicht baden gehen, weil ich auf dem Schaffell vor dem Ofen liegen musste. Fast wäre die Geschichte also an der Temperatur gescheitert, denn, so dachte ich, die Leute werden jetzt Sachen denken, die mir nicht egal sind. „Aha!“, werden sie denken, „die Frau hat gewartet, bis es pipiwarm wird, weil sie sich nicht traute, als es noch richtig kalt war.“

Die Belohnung: High und erleuchtet

Im Park spazierten Menschenmassen, auf dem See schwamm eine zarte Eisschicht – sehr gut, so bekam die Operation doch noch etwas Toughes. Ich war mit einer Freundin unterwegs, wir entkleideten uns unverzüglich, wir dachten in der Eile nicht einmal daran, die Bäuche einzuziehen. Das Wasser war natürlich sagenhaft kalt, das Hirn schaltete sich auf der Stelle aus. Weiter erinnere ich nichts. Spektakulär wurde es erst zurück am Ufer, die Freundin und ich waren komplett high. Wahnsinns Erleuchtung: Wir sind die Tollsten der Welt! Und: Sich zu überwinden ist total einfach, solange man nicht nachdenkt. Das gilt für alle Sachen im Leben. Das rufe ich einfach mal so in den Raum hinein, ihr jungen Dinger!

Euch gefällt der Beitrag? Dann freuen wir uns über Eure Unterstützung via Steady. Danke!
Close