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Na Fein!

Sylvia Heinleins Wochenjournal über die Stürme im Wasserglas des Alltags.
Diesmal: Freundschaft

Die Köpfe zusammen stecken, gemeinsam an den Strippen ziehen und ein Kaltgetränk – mehr braucht die Freundschaft doch nicht, oder?

Brisantes Thema, meine Luder, deshalb stelle ich erst mal nur eine behutsame Frage: Neigen Frauen unseres Alters dazu, schnell gekränkt zu sein, aus ich weiß nicht was für gefühligen Gründen, und infolgedessen heftig auf Zinne zu geraten? Und falls es so sein sollte: Sind es die Hormone, irgendetwas Teenagerartiges? Natürlich bin ich eine selbstkritische Person, ich bin sogar extrem weit vorne, was Reflexion angeht; mindestens so weit immerhin wie irgendein beliebiger Mann. Eventuell, und das ist ein ziemlich irres Gefühl, bin ich sogar ein Mann geworden, irgendwie, also emotional. Mein Verhalten und Nicht-Verhalten jedenfalls provozieren in letzter Zeit vermehrt zornige Ausbrüche meines weiblichen Umfelds und ich stehe da wie ein Poller, komplett ahnungslos. Ich habe es mit klarer Ansprache versucht („Mein Leben ist grad etwas unübersichtlich, Hase, da kann ich mich nicht um alles kümmern, sondern versuche, erst mal den existenziellen Scheiß auf die Reihe zu bekommen.“), aber das hat es auch nicht besser gemacht.

Wie herrlich geschmeidig hingegen Männerfreundschaften funktionieren, hach! Selten kommt Verwirrung auf, Kränkung eigentlich nie. Ich will das auch, kein ewiges Umkreisen komplizierter menschlicher Beziehungen mehr, letztendlich gibt es auf alles ja nur eine Antwort (ich habe sie aus einem Thriller, von einem Killer), die müssen Frauen endlich mal lernen: „Im Zweifelsfall ist es besser sich nicht zu rühren. Wenn man nichts tun kann, soll man auch nichts tun.“ Schwerer als Tiere zeichnen oder Herzen operieren kann diese Art Freundschaftspflege nicht sein, wir müssen nur alle gemeinsam dranbleiben.

Um das Ganze noch etwas fröhlicher zu machen, denn jeder Tag hat seine eigene Hübschigkeit: Heute hatte ich einen dänischen Schornsteinfeger in meinem Ferienhaus. Er kam unangekündigt, wummerte an die Tür (so, wie es die Kommissare immer machen, aber fröhlicher), trug einen dollen Beanie, einen Seemannsbart und erzählte gleich los. So sind sie nämlich, die dänischen Männer: immer bereit für en lille snak. Die Winter, erfuhr ich, verbringt der Schornsteinfeger als Skilehrer in Österreich und im Sommer fliegt er hier über die Wellen, Kitesurfing, was man eben so macht, als Däne. Ich hätte ihn gerne gleich gefressen, genauso wie den Steinmetz am Tag zuvor. Man muss sehen, wo man bleibt, meine Luder, auch ein Grabsteinkauf kann weiterhelfen. Aus dänischen Fernsehserien weiß ich, dass die hiesigen Männer ihre Macken haben … aber: Mit Jesse und Mads zu plaudern, war so erfrischend wie das kalte Carlsberg danach. Skål!

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