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Na Fein!

Sylvia Heinleins Wochenjournal über die Stürme im Wasserglas des Alltags.
Diesmal: Lass fließen, Luder!

Die Dudes machen nackig Köpper. Oder reiten in der Gegend rum

Was machen die Jungs denn so aktuell, also die Dudes zwischen Ende 40 und Mitte 60? Sie fahren mindestens zu viert in den Wald. In eine einsame Hütte an einem See, auf dem See schwimmt ein Ponton, von dem aus machen sie nackig Köpper. Im Kofferraum haben sie drei Kabelrollen dabei und Laserdingens, denn in der Nacht wollen sie eine tolle Lichtshow haben, LSD nehmen und zu Techno rumzappeln. Ein absolut okayes Programm. Wir Dudesses liegen mit einer Freundin im Schwimmbad rum und besprechen die private Chose, aber das wisst Ihr ja selber. Mein persönliches Ziel: mich endlich wieder am Beckenrand aus dem Wasser stemmen zu können. Man soll gerne sehen, was Luder unseres Alters draufhaben.

Mal eben fix ein Problem lösen? Klar!
Weil ich generell gerne einen toughen Eindruck mache, holte ich neulich Rohreinigungsspirale und Pumppistole hervor, um fix mal das Problem mit dem verstopften Klo zu lösen. Keine sechs Stunden später bin ich ins Internet, jemanden suchen, der die Sache aus der Welt schafft. Das Internet sagt, es seien viele Betrüger im Rohreiniger-Geschäft unterwegs. Sie kommen, erledigen nichts, verlangen dafür 1500 Euro und drohen mit sonst was. Ich habe mich nicht irritieren lassen: „Besser einen anständigen Gangster als gar keinen Mann im Haus“, sage ich immer.

Der Rohreiniger war schnell da, ein kräftiger Kerl mit einem Transporter voll schwerem Geschütz. Er sagte: „Achttausend Euro“, als ich fragte, was seine Arbeit so in etwa kosten würde, und legte sofort mit jeder Menge Ghost Buster-mäßigem Kampfgerät los. Das Ganze war eine Mischung aus Sherlock Holmes- und James Bond-Show, der Mann spürte das Problem auf und schoss schweigsam die Abflussleitung frei. Wenn ihr in Hamburg und Umgebung sonst nichts zu tun habt und euch nach einer altmodisch männlichen Darbietung mit spannenden Instrumenten ist: Verstopft irgendein Rohr und ruft Herrn Weltermann. Eine Stunde kostet rund 100 Euro. Es lohnt!

Hört auf mich und seid unproduktiv
Ansonsten, meine Luder, rufe ich euch in diesen sommerlichen Tagen zu: „Schließt die Büros!“ Mein Rat ist, nichts zu forcieren und alle unproduktiven Tage und Stunden lieber zu vertändeln und zu verschlafen, als an solchen Tagen etwas machen zu wollen, woran man später keine Freude hat. Das ist von Karoline von Günderrode geklaut, ich kann mir nicht alles selber ausdenken.*

Dann möchte ich noch sagen: „Wenn die Fahne fliegt, ist der Verstand in der Trompete.“ Ich habe keine Ahnung, woher das stammt und was es meint, aber ich trage es mal weiter – mein kleiner Versuch für heute, die Welt ein wenig rätselhafter zu machen …

*In Wahrheit stammt das Zitat von Goethe, aber heute will ich trotzig sein. Als ich nach „Zeitgenossin Romantik“ suchte, weigerte Google sich und bot mir nur ZeitgenossEn an. Also: selber Schuld, Internet! 

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