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My Tipsy Hat

Alkohol? Unbedingt. Und dabei gut behütet. Silke Burmester lernt das stilvolle Trinken

Goldrausch im Glas, im Kopf und auf dem Kopf sowieso
(Foto + Montage: Brigitta Jahn)

Komm, neues Jahr, wirbel Dein Gold auf!

Die Welt scheidet sich in Silvester-Menschen und Menschen, die Silvester am liebsten gar nicht erleben möchten.
Ich bin ein unbedingter Silvester-Mensch. Jedes Jahr wieder freue ich mich und finde es ganz wunderbar, so ein großes Ding, wie das Ende eines Jahres, feiern zu können. Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn man nicht auf die Idee gekommen wäre, dem Mond beim Wandern zuzugucken und zu begreifen, dass die Erde sich dreht. Die Zeit würde vergehen, man würde sich über die Vergänglichkeit und die Erneuerung wundern, und gar nicht auf die Idee kommen, nach 365 Tagen die Korken knallen zu lassen.

The Time of my Life. Mit 14. Seither warte ich.

Eigentlich ist die Geschichte eine ganz einfache: Als ich 13 oder 14 Jahre alt war, durfte ich zum ersten Mal auf eine Silvester-Party. Ich sehe noch heute den Keller vor mir, den Gastgeber, der Markus, Martin oder Torsten hieß. Die Bude war voll, es lief „Stairway to Heaven“ rauf und runter und ich hatte die Zeit meines Lebens. Seither warte ich darauf, dass sich diese Party wiederholt. Jedes Jahr gehe ich unverdrossen optimistisch vor die Tür, zu Freunden, zu Nachbarn, zu Fremden, auf die Straße, in Wohnzimmer, in Schlafzimmer und hoffe, die Party möge sich wiederholen. Ich möchte noch einmal so freudig erregt, so zukunftsgewandt und so zufrieden mit der Situation sein wie damals. Ich möchte noch einmal denken, dass es keinen besseren Ort gibt, als mit diesen Leuten zu dieser Musik in ein neues Jahr zu gehen. Ich möchte wissen, dass die anderen und ich das Tollste, Coolste, Hippste sind, das sich zum Feiern trifft. Ich möchte tanzen und trinken und küssen.

Auch für den Kick in the Ass sollte die Frau von Welt sich herausputzen

Ich habe schon im Sommer ein Hütchen im Hutladen gesehen, das gar nicht anders kann, als für Silvester richtig zu sein. Es ist so bunt und glanzvoll wie meine Vorstellung. Momentan ist noch unklar, ob die Laune da sein wird, feiern zu wollen. In jedem Fall wird die Laune so sein, dieses Jahr mit einem gewaltigen Arschtritt in den Orbit der Geschichte befördern zu wollen. Auch dafür sollte eine Frau von Welt sich herausputzen. Und ein Getränk parat haben, das über den Dingen steht. Ich wähle einen Champagner-Cocktail für den Betty Kupsa dem französischen Blübbér ein Spritzerchen Angostura und Zucker zugibt. Und Goldstaub.
Was nun im Glas passiert, ist das, was das neue Jahr und ich brauchen: Es beginnt in der Schale zu wirbeln. Das Gold pulsiert im Glas, wird hoch und hin und her geworfen. Wie ein Orakel formt es pulsierende Zeichen. Goldene Versprechen. Fülle. Wunschzauberei. Und wie Knallbrause knistert es. Wenn man die Ohren spitzt, kann man hören, was das neue Jahr an Glanz und Ereignissen bereithält. Und auch der Geschmack sprudelt in seiner leicht bitteren, bestechenden Frische dem Neuen entgegen. Betty nennt diesen Drink „Golden Years“, was natürlich nicht nur eine sehr hübsche Referenz gegenüber den 20er-Jahren ist, sondern auch einer der eingängigsten Songs von David Bowie. Und der berührt mein noch immer so frühlingshaftes Herz mit den Zeilen: „Look at that sky, life’s begun. Nights are warm and the days are young.“


So mischt die Betty

Golden Years
1 Zuckerwürfel in die Coupette legen
mit Angosturas Bitters tränken
essbaren Glitzer darüber streuen und mit
gut gekühltem Champagner auffüllen


Wer mag, kann den Drink mit einer Orangen- oder Zitronenschale garnieren.
Statt Champagner kann auch Crement, CAVA oder Winzersekt verwendet werden –
schmeckt, knallt und befeuchtet ebenso.
Sollte es jedoch Champagner sein, empfiehlt Frau Betty Bollinger.
Den Lieblingschampagner der britischen Königin. Was sonst.


Rotkäppchen-Designs Vor zwölf Jahren hat Ulla Anna Machalett ihr Hutgeschäft in Hamburg eröffnet und seither zieren die tollsten und die dollsten Kreationen die Schaufenster. Ihre Kund*innen kommen von weither und ordern mitunter telefonisch – so sehr vertrauen sie den Fähigkeiten der Modistin. Für „My Tipsy Hat“ stellt sie ihre Stücke zur Verfügung.
rotkaeppchen-designs.de

The Chug Club heißt die Bar von Betty Kupsa. Betty wurde mit und ohne Bar ausgezeichnet, mit Lorbeer behängt und über den grünen Klee gelobt. Für uns und die Frage, „Welcher Drink passt zum Hut?“ ist Betty ein Geschenk, denn sie hat eine irre Gabe: Sie schmeckt quasi im Kopf vor und schüttet dann zusammen, was bis dahin getrennt war. Jetzt hat sie mit „Lupita“ ihre eigene Margarita-Linie kreiert, die natürlich alsbald im Palais-F*luxx-Shop erhältlich ist.

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