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My Tipsy Hat

Alkohol? Unbedingt. Und dabei gut behütet. Silke Burmester lernt das stilvolle Trinken

Hütchen auf und ab zum Standesamt. Irgendein Paar kommt schon raus
Foto + Montage: Brigitta Jahn



Nice Day for a Grey Wedding

Als ich sechs Jahre alt war, wusste ich, ich würde nicht heiraten. Keine Ahnung, was ich in so jungen Jahren an dem Konzept Ehe unpassend fand. Vielleicht hatte es ausgereicht, dass im Hause meiner Großeltern Leute wohnten, von denen meine Mutter sagte, sie lebten in „wilder Ehe“. Was, wie meine Mutter sagte, jetzt vorkomme, aber klar war auch, schön ist das nicht. Für mich war es genau das Richtige. „Wild“ und von den Anständigen mit Argwohn bedacht – so konnte ich mir meine Zukunft vorstellen.
Ich bin meiner Erkenntnis gefolgt und sehr zufrieden.

Auch schlimm: tätowiert sein

Einen meiner schlimmsten Träume erlebte ich mit Mitte 20. Ich sollte heiraten und dazu gehörte, dass ich tätowiert würde. Ich versuchte zu entkommen und rannte durch einen Wald. Der Tätowierer mit einem mobilen Stichapparat hinter mir her. Die Rennerei nahm und nahm kein Ende. Ergo, es gibt noch etwas anderes, das so schlimm ist wie heiraten: tätowiert zu sein. Man erkennt sehr schnell: Frau Burmester weiß, dass man zu keinem Zeitpunkt in seinem Leben wissen kann, ob das, was heute gut und richtig ist, morgen noch gilt. Karottenhose, Leif Garrett, Dauerwelle, als man darauf stand, konnte man sich auch nicht vorstellen, dass einen später mal das Grausen packen würde.

Ich muss meine Abneigung ausgestrahlt haben, ich war nur selten zu einer Hochzeit eingeladen. Das ändert sich gerade. Leute in meinem Alter, oder drüber, heiraten. Die sind 15 oder 20 Jahre zusammen und denken, dann können sie sich auch ehelichen. Und ja, ich finde das Konzept von „Grey Wedding“ recht überzeugend. Wenn man davon ausgehen kann, man hat eh nur noch 20 Jahre, bis einer von beiden tot umfällt, ist dieses allumfassende, ultimative Versprechen vielleicht gar nicht zu viel verlangt.

Keine Freunde, die heiraten wollen? Egal!

Natürlich bleibt in diesen pandemischen Zeiten nicht viel Raum für Halligalli und die kleinen Zeremonien laufen sehr gesittet ab. Leider. Da hilft nur, aus der Not eine Tugend zu machen und eine gute Freundin zu sein, indem man – im Zweifelsfall auch ungefragt – vor dem Standesamt einen kleinen Empfang vorbereitet. Ein Rollwägelchen, Luftballons und französische Chansons aus den 60ern, die aus der Soundbox schallen. Dazu hält man schöne, schwere Champagnerschalen bereit, in denen man die „Crème l’amour“ serviert – und alle sind glücklich. 
Und das ist vielleicht das Schönste in diesen schwierigen Zeiten: Momente zu schaffen, die erwärmen. Die glücklich machen und an die man sich gern erinnert, einfach, weil sie in ihrer Bescheidenheit perfekt sind.

Nun hat diejenige, die das eine schöne Idee findet, nicht unbedingt Freunde parat, die heiraten wollen. Vielleicht auch keine, die sich eine Ehe einreden lassen, nur damit man sich mal wieder hübsch anziehen kann und hingebungsvoll ein paar Tränchen verdrücken. Aber das macht gar nichts! Man kann das auch bei Leuten machen, die man nicht kennt. Hütchen auf und einfach mit dem Wägelchen vors Standesamt gezogen und warten. Irgendein Paar kommt schon raus.


So mischt die Betty

„Crème l’amour“
1 cl Crème de Mûere (Brombeerlikör)
Champagner oder Sekt oder Cremant

den Likör ins Glas geben und mit gut gekühltem Champagner o.ä. auffüllen





Rotkäppchen-Designs Vor zwölf Jahren hat Ulla Anna Machalett ihr Hutgeschäft in Hamburg eröffnet und seither zieren die tollsten und die dollsten Kreationen die Schaufenster. Ihre Kund*innen kommen von weither und ordern mitunter telefonisch – so sehr vertrauen sie den Fähigkeiten der Modistin. Für „My Tipsy Hat“ stellt sie ihre Stücke zur Verfügung.
rotkaeppchen-designs.de

The Chug Club heißt die Bar von Betty Kupsa. Betty wurde mit und ohne Bar ausgezeichnet, mit Lorbeer behängt und über den grünen Klee gelobt. Für uns und die Frage, „Welcher Drink passt zum Hut?“ ist Betty ein Geschenk, denn sie hat eine irre Gabe: Sie schmeckt quasi im Kopf vor und schüttet dann zusammen, was bis dahin getrennt war. Jetzt hat sie mit »Lupita« ihre eigene Margarita-Linie kreiert, die natürlich alsbald im Palais-F*luxx-Shop erhältlich ist.

Pia Norberg hat für die Fotoproduktion Haare und Make-up verantwortet – womit Frau Burmester sich in bewehrten Händen weiß. Nicht nur, dass Pia Norberg als Maskenbildnerin die Bühnen-Darsteller*innen der Aida-Schiffe darin schult, die Schminke so aufzutragen, dass sie mit Pariser Showgirls konkurrieren können, Pia hat auch beim klassischen Theater rauf und runter geschminkt. Und – und das ist vielleicht der ultimative Beweis, dass diese Frau alles zu bändigen weiß – sie hat sechs Jahre lang den Ballerinas von John Neumeiers Tanztruppe die Haare zu ultimativ haltenden Knoten gewunden.

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