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Palais F*luxx

Online-Magazin für Rausch, Revolte, Wechseljahre

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Macht doch, was ihr wollt!

Jeden zweiten Mittwoch stellen wir Euch eine Frau vor, die ihr Leben umgekrempelt hat
oder mittendrin ist in der Veränderung

Heute: Anna Wander

Kennt sich aus mit Kresse, Kohl und Champagner: Anna Wand
Foto: privat



Aufregende Beet-Geschichten sind Anna Wanders Sache. Die passionierte Hobby-Gärtnerin hat viele Jahre zurückgesteckt und ist um die drei Kinder, ihren Mann und dessen Firma rotiert. Hat sie alles gern gemacht – aber irgendwann war sie mal an der Reihe. Angefangen hat Anna mit einem Garten-Blog und ausschließlich vegetarischen Rezepten – jetzt kommt ihr erstes Buch heraus. Was gegen zu scharfes Curry hilft, verrät sie bereits im Vorwort: Natürlich Champagner!

Name: Anna Wander
Alter: 57
Beruf: Journalistin, Autorin,
Wohnt in: Reinbek
Motto: Umbrüche bedeuten Veränderungen, Bewegung, Leben



Was beschäftigt Dich zurzeit am meisten?
Im Moment arbeite ich unter Hochdruck an der Veröffentlichung meines Kochbuchs „Ich dachte, es gibt Nudeln…“. Da ich so ziemlich alles alleine mache, bin ich gut beschäftigt. Als One-Woman-Show liegt alles in meiner Hand: zuerst die Redaktion, die Produktion, jetzt der Verkauf. Auch wenn ich manchmal schlaflose Nächte habe, ich bin zuversichtlich.

Woher nimmst Du Deine Energie?
Das Neue an einem Projekt interessiert mich. Man lernt immer dazu. Mein Problem ist eher, dass ich gerne noch so viele andere Dinge tun würde, so viele Ideen habe, aber die Zeit vergeht so schnell.

Dann erzähl doch mal, wie es zu all dem gekommen ist …
Ich habe nach der Schule in Berlin Publizistik und Italienische Literatur- und Sprachwissenschaften sowie ein paar Semester Kunstgeschichte studiert, zwischendurch in Mailand bei einem Verlag gearbeitet, dann in Hamburg eine Ausbildung zur TV-Redakteurin gemacht. Als mittlerweile alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter musste ich mir dann ein anderes Arbeitsumfeld suchen und kam zu Spiegel Online. Später (also mit Kind 2 und 3) habe ich mich mit meinem Mann selbständig gemacht. Das war anstrengend, doch der richtige Schritt hin zu mehr Unabhängigkeit.

Gibt es eine Krise, von der Du uns erzählen magst, die Dich weitergebracht hat?
An einem bestimmten Punkt hatte ich das Gefühl, in erster Linie nur für andere zu rackern. Für die Familie, für die Firma meines Mannes, ich habe unser ganzes Leben gemanagt und alles organisiert, nebenher noch ein Haus gebaut. Mein Raum für Kreativität und meine eigenen Interessen schrumpften immer weiter. Mit dem Auszug meiner ältesten Tochter habe ich dann 2016 meinen Blog Allesausdemgarten.de ins Leben gerufen, da geht es um eine genussvolle, vegetarische Küche; das ist meine Leidenschaft. Ich schreibe dort auch ein bisschen über eigenes Gemüse im Garten und eben meine Kolumnen. Keiner redet mir rein, ich mache komplett alles selbst und bekomme schönes Feedback von meinen LeserInnen.

Wie ging es weiter?
Mein Mann ist 16 Jahre älter als ich. Als er keine Lust mehr hatte zu arbeiten und sein Leben nach einer schweren Krankheit eigentlich nur noch genießen wollte, wurde mir bewusst, dass ich selbst an einem anderen Punkt stand und noch anderes vorhatte. Ich habe dann mit meinem lange gehegten Kochbuchprojekt begonnen und dafür einen Eigenverlag gegründet.

Wie empfindest Du Deine derzeitige Lebensphase?
Da auch meine beiden jüngeren Kinder langsam flügge werden, ist das natürlich ein Abschied. Gleichzeitig fühle ich mich befreit und hoffe endlich auf mehr Zeit für mich. Seltsamerweise scheint genau das Gegenteil der Fall zu sein. Meine Tage werden immer voller. Aber für mich war Unabhängigkeit in jeder Hinsicht immer wichtig, das haben mich meine Mutter und das Leben gelehrt. Was mich außerdem schon seit meiner Jugend aufbringt, ist diese maßlose Ausbeutung und Zerstörung unserer Umwelt und das Tierleid, das durch unseren irrsinnigen Konsum und unsere Ernährung bedingt ist. Deshalb fühle ich mich wahrscheinlich dem Land auch mehr verbunden als der Stadt. Mailand, Berlin, Hamburg … das sind alles tolle Städte, aber leben möchte ich dort nicht mehr.

Was hat Dir bei Deiner Neuaufstellung am meisten Kraft gegeben?
Je älter ich werde, desto mehr sehe ich, wie wichtig es ist, gute, vertrauensvolle Freundinnen zu haben, mit denen man über wichtige Entscheidungen reden und sich beratschlagen kann. Sie sind eine wichtige Konstante im Leben – zumindest in meinem.

Kannst Du Dich noch an Deine Job-Träume in jungen Jahren erinnern?
Als Jugendliche wollte ich die Welt besser machen, wollte den Tieren und der Umwelt helfen, wurde mit 15 Vegetarierin, hatte sogar eine lila Latzhose, ging auf alle möglichen Demos. Gemälde-Restauratorin in Florenz war damals mein Traum. Ich hätte für eine qualifizierte Ausbildung aber vorher eine handwerkliche Lehre machen müssen. Der Witz war: Als Tischlerei-Lehrling wollte mich keiner der Betriebe haben. Warum? Es gab keine sanitären Anlagen für Frauen. Unfassbar. Heute glücklicherweise undenkbar.

Wie tankst Du am besten auf?
Ich habe mir einen lang gehegten Traum erfüllt und eine alte Ölmühle in Italien am Meer gekauft und restauriert. Dort bin ich weit weg von meinem deutschen Alltag, ich liebe das Leben dort, die Mentalität der Menschen. Hier im Norden ist es eher mein Pferd, bei dem ich mich erhole. Wovon ich nicht genug kriege: Frisches Brot aus dem Ofen! Davon dicke, noch warme Scheiben mit Butter und Salz. Ansonsten Champagner.

Klingt geradezu paradiesisch … hast Du noch einen Tipp an Dein früheres Ich?
Immer mit der Ruhe und nicht immer gleich die Messer wetzen.

Vielen Dank!

Das Interview führte Gerlind Hector, die ebenfalls allerlei Gemüse in ihrem Garten anzubauen versucht. Während sich die Schnecken an Kohlrabi und Kopfsalat laben, gibt’s Zucchini dagegen kiloweise. Daher freut sie sich über Annas abwechslungsreichen Zucchini-Rezepte, als da wären: Zucchini-Galettes mit Paprika und Parmesan, Dhal mit Zucchini und Tomaten, sautierte Zucchini mit Burrata, ausgebackene Zucchiniblüten, Zucchini-Basilikum-Tarte … köstlich! Die Erntesaison kann kommen!

Annas Blog und Anna auf Instagram


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