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Palais F*luxx

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Job & Menopause – Frau Scholten weiß Rat!

Trockenobst und andere Früchte

Britta Scholten ist unsere Führungsfrau in der „Wechselwirtschaft“
Foto: Fotostudio Charlottenburg

Auf der Unternehmensfeier verrät die 53-jährige Abteilungssekretärin Intimes: „Unten ohne geht gar nichts mehr!“, sagt sie und leert kichernd das dritte Glas Wein. „Was nimmst Du?“, fragt sie ihre gleichaltrige Kollegin, die sofort über Gleitgele zu fachsimpeln anfängt.

Auf der anderen Seite des Tisches lästern zwei Männer: „Schau Dir die Dörrpflaumen an, bei denen sind nicht nur die Ideen vertrocknet!“ Dazwischen sitzt die Abteilungsleiterin. Hin- und hergerissen zwischen „Eigentlich müsste ich klar sagen: So ein Kommentar geht gar nicht“ und „Bitte keine Details, ich möchte nicht auch noch für das Sexleben meiner Mitarbeiter:innen zuständig sein.“

Trockenheit stört nicht nur beim Sex

In diesen Wochen kann man es auf allen Feldern sehen: Wo in der Natur der Regen fehlt, trocknet die Erde aus. Ähnlich ist es bei Frauen und ihrer persönlichen Klimakrise: Wenn sich mit den Wechseljahren die Hormone und vor allem das Östrogen verabschieden, fehlt es bei ihnen an Feuchtigkeit. So kommt es zu einem der bekanntesten Symptome der Wechseljahre, der trockenen Scheidenschleimhaut. Aber Schleimhäute gibt es noch in einer Reihe von anderen Körperregionen. Und die können zu Beschwerden führen, die im Job häufiger auffallen als die Gleitgel-gierige Vaginalschleimhaut.

So wundert sich die Schreibtischtäterin vielleicht, warum sie auf einmal ihre Kontaktlinsen bei der Bildschirmarbeit nicht mehr verträgt. Die Ärztin, die schon immer trockene Hände hatte, kommt wegen des Desinfektionsmittels nicht mehr mit dem Cremen hinterher. Und die Nase der Stewardess kann die trockene Luft im Flugzeug noch schlechter als früher vertragen.

Mal wieder ist das (fehlende) Östrogen Schuld

Grund für die sich ausbreitende Dürre ist das Absinken des Östrogenspiegels. Als aufbauendes und feuchtigkeitsbindendes Hormon sorgt es zu unserer Freude lange für pralle Haut und Schleimhäute. Fällt der Hormonspiegel in den Wechseljahren ab, fällt auch häufig das Urteil: Das ist hier zu trocken.

Nicht nur das Gleitgel wird nun wichtig. Wären wir in einer anderen Ratgeberrubrik, würde ich jetzt über die Atrophie, die „Verkümmerung“ der Scheidenschleimhaut sprechen und Öle, Gele oder auch Hormoncremes empfehlen. Aber wir sprechen ja über Job und Wechseljahre. Und falls ihr keine Sexarbeiterinnen seid, steht die Scheidentrockenheit daher eher nicht auf der Agenda.

Was Frauen tun können

Das Mantra lautet nun: Befeuchten von innen und außen. Trinken bleibt wichtig und wird noch wichtiger. Pro Tag brauchen erwachsene Frauen ca. 30 – 40 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Hitze oder sportlichen Aktivitäten können es leicht deutlich mehr werden. Als Beispiel: Eine Frau, die 60 Kilo wiegt und sich wenig bewegt, kommt schon auf 1,8 Liter Flüssigkeitsbedarf. Ob man genug Flüssigkeit zu sich nimmt, kann man gut mit dem einfachen Hautturgor-Test beurteilen. Wenn man nicht so viel trinken mag, sind Gurken, Tomaten, Wassermelonen und ähnliches Obst und Gemüse auch gute Quellen für genug Flüssigkeitsaufnahme.

Trinken ist nicht nur wichtig für die Haut und Schleimhäute, sondern auch für die Konzentrationsfähigkeit und unser Denkvermögen (dazu mehr im Artikel über Brainfog). Es gibt sogar Hinweise darauf, dass eine regelmäßige „Austrocknung“ Erkrankungen wie Demenz fördert. Und übrigens: Weniger zu trinken, weil man sowieso schon tröpfelt, ist keine gute Idee! In diesen Fällen lieber mit der Gynäkologin oder Urologin sprechen. Wechseljahresbedingte Inkontinenz lässt sich in vielen Fällen gut behandeln.

Von außen kann man zu feuchtigkeitsspendenden Ölen und Cremes greifen. Dabei sind keine teuren Anti-Aging-Mittel nötig. Das beste Signal, ob eine Creme gut für Euch ist, bekommt Ihr von Eurer Haut. Dabei zählen auch die persönlichen Vorlieben. Viele Frauen finden natürliche Öle wesentlich angenehmer als Cremes aus der Apotheke. Auch Aloe Vera ist ein simples, aber effektives Mittel, um die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen.

Was Unternehmen tun können

Die Abteilungsleiterin ist empört: „Ich habe verstanden, dass wir über die Wechseljahre und deren Auswirkungen sprechen müssen, aber ich kann doch meinen Mitarbeiterinnen kein Gleitgel kaufen!“

Warum eigentlich nicht? Wäre eine schöne Abwechslung zur x-ten Tasche oder Trinkflasche mit Firmen­logo. Obwohl zumindest die Flasche auch gut zum Thema passt. Denn als Unternehmen kann man Wasser und andere „gute“ Getränke wie zum Beispiel Früchte- oder Kräutertees zu Verfügung stellen und die Mitarbeiter:innen auch dazu einladen, das Getränkeangebot zu nutzen. Genauso wichtig, aber etwas aufwändiger ist es, die Luftfeuchtigkeit in einem gesunden Bereich zwischen 30 und 70 Prozent zu halten – gerade bei klimatisierten Räumen sollte man die Luftfeuchtigkeit regelmäßig überprüfen und gegebenenfalls zum Beispiel mit Vernebelungssystemen nachbessern. Das hilft nicht nur den Frauen in den Wechseljahren, sondern ist auch gut für alle anderen Mitarbeiter:innen – und die Krankenstatistik: In zu trockener Luft halten sich Viren und Bakterien besser und können so zu mehr Erkrankungen führen.

Daneben kann der Einkauf überprüfen: Seife, Spül- oder Desinfektionsmittel – müssen es die billigsten sein oder kann man auf hautfreundliche Sorten umsteigen und profitieren, weil sich die Mitarbeiter:innen wohl in ihrer Haut fühlen. Vielleicht ist ja auch eine simple Handcreme noch im Budget.

Ein (fast) kostenloser Tipp ist übrigens bei Bildschirmarbeit besonders effektiv: Die Kolleg:innen aus der IT können eine Erinnerung einstellen (oder eine App freischalten), die zum regelmäßigen Augentraining einlädt: Kurze Wechsel zwischen Blicken in die Nähe oder Ferne trainieren und entspannen die Augenmuskeln. Blinzelt man dazu noch mehr als normal, wird die Hornhaut besser mit Tränenflüssigkeit versorgt und reagiert seltener gereizt.

Und wenn es Budget und die Unternehmenskultur hergeben – ohne gegen Leitlinien gegen sexuelle Belästigung zu verstoßen: Vielleicht passt dann doch das Gleitgel als Weih­nachtsgeschenk. Denn guter Sex sorgt nachweislich für Entspannung und gute Laune – nicht die schlechteste Ausgangslage für produktive Mitarbeiter:innen.

Infos zur Wassermenge, die wir trinken sollten

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Luftfeuchtigkeit im Büro

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