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Tatsachenreport

Tantra-Massage

Eine belebte Straße im Berliner Westen, ein ehemals vornehmes Stadthaus aus der Gründerzeit. Wir haben gerade geklingelt und sind etwas nervös. Es ist unsere erste Tantra-Paarmassage. Ich habe das Etablissement akribisch ausgewählt, es war das ansprechendste, das ich im Internet gefunden habe. Auf der Website gab es geschmackvolle Porträtfotos der Menschen, die hier massieren. Wir haben uns Eva und Mark ausgesucht.

Es summt, die Tür geht auf, wir steigen ein paar Marmorstufen hinauf und stehen vor Eva und Mark. Im Vorfeld hatten wir uns für getrennte Räume entschieden.

Mark führt mich in einen Raum mit Massageliege auf dem Boden, daneben ein Tischchen und zwei Sessel. Es gibt ein kleines Gespräch, warum bin ich hier, was sind meine Wünsche, wo sind meine Grenzen, was ist mir wichtig für die heutige Session. Dann lässt er mich allein, damit ich mich umziehen kann. Oder eher ausziehen … Ein Lunghi liegt bereit, ein großes, rechteckiges Tuch, in das ich mich einwickle und das ich im Nacken verknote.

Dann treffe ich meinen Mann wieder. Wir können nun gemeinsam duschen und allein das ist schon ein kleines Vergnügen: Seit Ewigkeiten haben wir nicht mehr zusammen in einer derart geräumigen Duschkabine gestanden, uns gegenseitig eingeseift und abgeduscht. Vor lauter Aufregung flachsen wir ziemlich albern herum. Dann küssen wir uns und wünschen uns viel Spaß. Ich bin dankbar, dass es solche Momente in unserer Beziehung geben kann.

Nun werden wir in unsere jeweiligen Räume begleitet. Mark trägt nun auch einen Lunghi, um die Hüfte gewunden und mit freiem Oberkörper. Ein stattlicher Mann, nicht mehr jung, aber fabelhaft attraktiv: groß, blond, muskulös, aber nicht übertrieben, markante Züge. Ich bin ein bisschen eingeschüchtert, fühle mich aber gleichzeitig unglaublich wohl.

Wir stehen voreinander, schauen uns an, atmen. Nach und nach bringen wir unseren Atem in Einklang. Ich traue mich und schaue in seine Augen. Er erwidert meinen Blick und ich muss innerlich schlucken. Einfach nur zusammen atmen kann so sexy sein? Wow!

Dann lege ich mich hin, der Lunghi bleibt erst mal an. Ab jetzt mache ich die Augen zu, das wird mir sonst zu  viel. Soll man auch, habe ich gehört, damit man sich besser entspannen und mit sich selbst verbinden kann.

Mark macht mir das Entspannen sehr leicht. Er massiert meinen rechten Arm mit sanften Strichen und warmem Öl, dann widmet er sich meiner rechten Hand und jedem einzelnen Finger, als wären es kleine Kostbarkeiten. Das Gleiche geschieht mit meinem linken Arm und nacheinander beiden Beinen und Füßen. Eine halbe Ewigkeit vergeht dabei, dann soll ich mich auf den Bauch legen. Mark löst den Knoten des Tuchs in meinem Nacken. Oje! Ich liege jetzt zwar auf dem Tuch, bin aber ansonsten nackt. Du hast es ja so gewollt, geht es mir durch den Kopf. Außerdem ist es ja auch nicht wesentlich anders als bei einer klassischen Massage, beruhige ich mich. Also, Augen zulassen und weiter genießen.

Mein Rücken wird verwöhnt, warmes Öl lässt Marks Hände widerstandslos gleiten, von den Schultern an der Wirbelsäule entlang, kreisend um die Taille herum, zur Hüfte, zum Po, zu den Beinen – schluck! Meine Beine liegen fest zusammen, dennoch tut sich schon was. Was soll ich machen? Es wird dann auch wieder unverfänglicher, meine Füße kriegen noch einmal die ganze Aufmerksamkeit meines Masseurs. Dann raunt er mir ins Ohr, dass ich mich jetzt umdrehen kann. Ooo-Ké, dann mach ich das mal. Jetzt ist definitiv kein Tuch mehr, nirgendwo. Ich liege splitterfasernackt vor diesem attraktiven Mann, der auch noch unfassbar geschickt mit seinen Händen umgehen kann. Meine Augen sind fest geschlossen, was ich nicht sehe, macht mich nicht heiß – hoffentlich! Oder doch? Ach, egal. Ich atme, ich bin ganz bei mir, darum geht es ja schließlich heute.

Er ist über mir, irgendwie, wie genau, weiß ich nicht, ich habe ja die Augen zu. Aber ich spüre die Wärme seines Körpers. Dann eine Berührung, diesmal nicht Haut auf Haut. Etwas leicht Kratziges (ist das sein Bart?) streift entlang meinem Brustbein Richtung Bauch. Nicht unangenehm. Ganz im Gegenteil, extrem aufregend!

Ich frage mich, wie er das macht, dass das Massageöl ihm einfach so aus den Fingern zu rinnen scheint. Ich kriege nicht mit, wie es aus einer Flasche tropft, es ist einfach da, fließt aus seinen Händen auf meinen Bauch, wo sie es verteilen, in immer größer werdenden Kreisen. Wie unabsichtlich streifen diese Hände über meine Brüste ­– und sind auch schon wieder weg.

Er steht auf, ich höre das Rascheln von Stoff. Ich glaube, er hat seinen Lunghi abgelegt, traue mich aber nicht nachzusehen. Er nimmt meine Füße und zieht meine Beine in die Länge, ein sehr angenehmes, neutrales Stretching. Kleine Pause von der Erotik. Aber jetzt legt er die Beine auseinander wieder hin, kniet sich dazwischen und legt jedes meiner Beine auf einen seiner Oberschenkel. Er nimmt meine Hände und legt sie auch auf seine Oberschenkel. Das ist hot! Heißer gehts nicht. Ich spüre die Härchen auf seiner Haut, die Muskeln darunter. Spätestens jetzt denke ich über gar nichts mehr nach und lasse mich vollständig fallen. Was soll’s, dafür bin ich hier, mach mit mir, was deine Kunst dich gelehrt hat. Und das tut er.

Erst vorsichtig, zart, streichen ein, zwei Finger über meine Vulva. Das geht eine ganze Weile so und fühlt sich sehr, sehr gut an. Mal von dieser, mal von jener Seite, dann kommen immer mehr Finger dazu, bis die ganze Hand von unten nach oben streicht, wieder und wieder, von den Schamlippen über die Klitoris bis zum Venushügel, wie in einer Endlosschleife, die bitte, bitte nie aufhören soll!

Meine Vulva glüht. Meine Hände auf seinen Oberschenkeln zucken vor Lust und vor Anstrengung.

Wieder streichen ein, zwei Finger zart über meine Intimzone. Diesmal haben sie ein klares Ziel, es liegt zwischen den Schamlippen und braucht eigentlich kein Öl mehr. Trotzdem fließt welches aus dieser unergründlichen Quelle über die ganze Vulva, während ich gar nicht so genau sagen kann, wo genau wie viele Finger gerade unterwegs sind. Nach einer gefühlten Ewigkeit sind definitiv mehrere Finger in mir drin und massieren sanft, aber bestimmt, und ich könnte jetzt, wenn ich wollte, aber ich will lieber nicht, heute nicht, und genieße einfach weiter und weiter …

Er steht auf, legt meine Beine ab, fein nebeneinander, und deckt mich mit meinem Lunghi zu. Ich höre Stoff rascheln, er zieht wohl seinen wieder an. Flüstert mir ins Ohr, dass er mich jetzt allein lässt zum Ausruhen. Ich könnte jetzt ewig hier liegen, oder einschlafen …

Als ich meinen Liebsten wiedersehe, verraten mir seine glänzenden Augen, dass er ein ähnlich schönes Erlebnis hatte. Aber das ist eine andere Geschichte …

U., 47 Jahre


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