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Palais F*luxx

Online-Magazin für Rausch, Revolte, Wechseljahre

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Macht doch, was ihr wollt!

Jeden zweiten Mittwoch stellen wir Euch eine Frau vor, die ihr Leben umgekrempelt hat
oder mittendrin ist in der Veränderung

Heute: Janka Ptacek

Sprengt Ketten und Grenzen, genau wie ihre Romanfigur Kitty Carter – Janka Ptacek aka Jana Paradigi.
Foto: Sophie Köchert



Janka Ptacek war eine von den Checker*innen. Als wir noch nicht wussten, wie man „Internet“ schreibt, programmierte sie bereits für globale Firmen und flog von A nach B und C. Mittlerweile lebt sie im österreichischen Nirgendwo und hat 2022 was getan? Genau, sie hat einen Verlag gegründet!

Name: Janka Ptaczek
Alter: 50
Beruf: Schriftstellerin
Wohnt in: Steyerling, Österreich
Motto: Alles ist möglich, es bedarf nur unterschiedlich großen Aufwandes

Wie empfindest Du Deine derzeitige Lebensphase?
Trotz der Stolpersteine auf dem Weg und nach der ein oder anderen menschlichen Enttäuschung fühle ich mich aktuell befreit und zurück in die Energie meiner Kindheit versetzt, in der alles möglich scheint. Ich erlaube mir wieder zu träumen – groß und magisch und geradezu unverschämt optimistisch!

Welchen Beruf wolltest Du als Kind ergreifen?
Magierin.

Jetzt sind wir gespannt auf Deinen Werdegang …
Nach dem Abitur stand ich vor der Wahl, entweder etwas Künstlerisches zu studieren oder Informatik. Ich habe mich für den finanziell sicheren Weg entschieden, bin zwei Jahre ins Exil in den Schwarzwald gegangen und habe dort Informatik der Digitalen Medien studiert. Und das zu einer Zeit, als das Internet noch über quietschende Modems funktionierte und man in so manchem Büro noch schwarz-grüne Monitore verwendet hat.Nach meinem Studienabschluss war ich Teil einer Multimedia-Agentur und habe an den ersten kommerziellen Internetseiten u.a. für Siemens und BMW gearbeitet. Zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, weil die Branche damals regelrecht explodiert ist. Und weil das ja noch nicht genug war, musste ich unbedingt zusätzlich zwei Semester an der FH München unterrichten und im Forschungslab mitarbeiten … bis ich irgendwann ausgebrannt war. Ich habe mich von einem Agentur-Kunden für viel Geld abwerben lassen. Bei dem durfte man keine Überstunden machen. Das war richtig gut. Dort habe ich als technische Leitung die internationale Multimedia-Abteilung mitaufgebaut, nur um fünf Jahre später ins Ausland zu gehen, um dort ein europaweites Dienstleistungsunternehmen zu gründen. Eine sehr lehrreiche und finanziell sehr erfolgreiche Zeit, die mir weitere fünf Jahre später die Möglichkeit eröffnet hat, mich erneut zu verändern.

Hilfe! Ich komme nicht mehr mit … was ist dann passiert?
Ich bin nach Österreich umgezogen, habe den Business-Kittel an den Nagel gehängt, die Vielfliegerkarte in die Schublade gelegt, habe ein Häuschen gekauft, mir Tiere angeschafft und bin Vollzeitschriftstellerin geworden, um für Serien wie zum Beispiel bei Bastei Lübbe zu schreiben. Eine Zeit voll Glück, aber irgendwann auch voller lähmender Routine.

Klingt nach einem perfekten Happy End. Oder nicht?
Ich brauche in meinem Leben eben immer wieder Veränderung. Ausgerechnet in der Pandemie-Rezessionszeit 2021 kam mir die Idee, einen eigenen Verlag zu gründen. So richtig klassisch mit Auflagendruck und dem Wunsch, in allen Buchläden der Welt auf den Büchertischen und in Schaufenstern auszuliegen. So ist vor gut einem Jahr der „Novel Arc Verlag“ entstanden.

Glückwunsch! Was treibt Dich an?
Ich möchte stets dazulernen, etwas besser machen, aus meinen eigenen gesetzten Grenzen ausbrechen und nach dem vermeintlich Unerreichbaren greifen. Im Moment beschäftigt mich sehr meine Verlagsplanungfür 2023 und darüber hinaus. Denn dafür muss ich jetzt schon die nötigen Dienstleister buchen.

Das klingt, als wärst Du ein echtes Energiebündel. Gibt es auch eine Krise, von der Du uns erzählen magst, die Dich weitergebracht hat?
Anfang 2022 habe ich meine Wechseljahre das erste Mal so richtig zu spüren bekommen. Zusammen mit Stress, einer Verletzung, der andauernden Pandemie und dem Ausbruch des Ukraine-Krieges im Februar hat mich das in eine tiefe Depression geworfen. Das habe ich allerdings erst ein paar Monate später realisiert. Ich habe nicht mehr funktioniert. Gar nicht mehr. Ausgerechnet in einer Phase, in der ich doch eigentlich mit dem Verlag durchstarten wollte. Ich habe Anläufe unternommen, mir professionelle Hilfe zu holen, musste aber erkennen, dass das staatliche Gesundheitssystem das schier unmöglich macht. Tatsächlich habe ich mir am Ende selbst geholfen und währenddessen meinen Seelenkampf zu einem gewissen Grad auch nach außen hin kommuniziert. Dadurch bin ich mit den Unterstützer*innen des Verlags tatsächlich ein Stück weit enger zusammengewachsen. Das hat mir die Energie geliefert, das schier Unmögliche am Ende zu schaffen: das Herbstprogramm pünktlich auf den Markt zu bringen und selbst wieder innere Balance zu finden.

Würdest Du das als Deinen größten Erfolg bezeichnen?
Ja. Mich selbst zu finden und meinen eigenen Wünschen endlich Vorrang vor denen der anderen zu geben.

Was ist Dein Rat an Frauen, die sich in der Mitte des Lebens neu aufstellen wollen?
Löst euch von der Hoffnung, allein durch das Aushalten und Ausharren in einer unguten Situation das zu erreichen, wovon am Ende nur ihr träumt, aber niemand anderes. Macht euch klar, wieviel Energie ihr oftmals dafür aufwendet, euch selbst klein zu halten, um andere nicht zu stören, nicht einzuschüchtern oder zu überfordern. Überfordert sie! Brecht aus und lebt das, was in euch schlummert. Sprengt die Ketten, sprengt die Grenzen. Geht nicht, gibt´s nicht, ganz egal, was pessimistische Miesepeter sagen. Probiert euch aus. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Was möchtest Du unbedingt in diesem Leben noch mal tun/lernen/ausprobieren?
Mich als Frau des Jahres auf dem Cover des „New York Times Magazine” zu sehen, wäre schön. Ich als Gast auf dem berühmten „Blauen Sofa” (dem Autor:innenforum von Bertelsmann, dem ZDF und Deutschlandradio Kultur) wäre aber auch schon ein Anfang.

Auf was kannst Du locker verzichten?
Männer. *lacht*

Ohne was gehst Du nie aus dem Haus?
Meine Hunde sind immer bei mir und ich bin immer bei meinen Hunden.

Was hast Du zuletzt zum allerersten Mal gemacht?
Eigenes Gemüse angepflanzt.

Wenn Du eine Superkraft wählen könntest, welche wäre das?
Alle Tiere dieser Welt vor dem Monster namens „Mensch“ retten zu können.

Was empfindest Du heute anders als noch vor 20/30 Jahren?
Ich weiß jetzt viel besser, wer ich bin. Ich habe eine eigene Meinung, die ich vertreten und argumentieren kann, ohne sinnlos Eingeimpftes nachzuplappern. Die Businesswelt hat mich ernüchtert zurückgelassen und mir gezeigt, dass es sich lohnt, herauszutreten aus dem Strom, Risiken einzugehen und seinen großen Träumen zu folgen statt nur „mitzuspielen”.

Dein Rat an Dein früheres Ich?
Du musst nicht zwanghaft irgendwo dazugehören. Deine Andersartigkeit ist Teil deiner Großartigkeit. Lass dir nichts anderes erzählen und dich ja nicht zurechtstutzen.

Vielen Dank!

Das Interview führte Gerlind Hector, die Jankas ambivalente Gedanken zum Thema „Homo Sapiens” teilt: Der Mensch ist ein Monster, jawoll! Doch es gibt zum Glück auch viele liebreizende Exemplare, die das Leben erst lustig, liebens- und lebenswert machen, darunter viele tolle Frauen, Kinder, Katzen (oh ja: Ihre eigene genießt den vollumfänglichen Status eines echten Familienmitgliedes)  … und sogar ein paar Männer.

Hier geht’s zu Janka:

Jankas fantastische Erzählung Mission Farm 49 auf palais-fluxx.de

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