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Palais F*luxx

Online-Magazin für Rausch, Revolte, Wechseljahre

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Es gibt Hoffnung! Lifestyle-Influencerinnen äußern sich politisch!

Endlich! In den USA nutzen Koch- und Mal-Akteurinnen ihre Reichweite um gegen Trumps Politik mobil zu machen und zeigen, Gedöns und Denken sind kein Widerspruch!

Dieser Text von Silke Burmester ist im Rahmen der Audiokolumne „Sexistische Kackscheiße“ Teil des Podcasts „Mikas Matrix

Hat die KI gemacht



So, und nun ich wieder! Und das voll gut druff und mal so richtig fett erfreut. Denn aller Tarnung zum Trotz, allen Unkenrufen und Häkelzeitschriften: Frauen* können denken. Ja!
Auch die, die so tun, als ob in ihrem Oberstübchen nur Platz für Cupcakes und Meal Prep wäre, stellen aktuell unter Beweis, dass sie nicht nur Politik und Zusammenhänge verstehen, sondern dass sie begreifen, dass das, was in ihrem Land passiert, auch mit ihnen zu tun hat.

In den USA, dem Land der unbegrenzt Bescheuerten, werden Frauen* aktiv, die für gewöhnlich ihre Kraft darauf verwenden, im Internet vorzuführen, wie man Nudeln kocht und Hundewelpen in Aquarell verewigt. Diese Frauen*, die Hunderttausende an Follower*innen haben, lassen Schneebesen und Pinsel fallen und entrüsten sich ihrem Publikum gegenüber über ihre Regierung und das Vorgehen von ICE.
Ok, es hat einen Moment gedauert, bis den US-Amerikaner*innen auffiel, dass das, was in ihrem Land vorgeht, sein Vorbild im Nazi-Deutschland der 1930er Jahre hat, aber als der Groschen gefallen war, haben etliche dann laaaangsam mal begonnen, ihre Stimme zu erheben.
Und nun beginnen sogar solche Frauen* zu sprechen, von denen man annahm, dass ihre Beschäftigung mit der Frage „Was koche ich heute?“ ihren intellektuellen Höhepunkt erreicht hat. Aber nein, diese – meist weißen – Mittelschichtfrauen* sind gar nicht doof. Die können kochen UND denken. Hunde malen UND sich deutlich artikulieren.

Ich frage mich, warum das so lang gedauert hat. Warum erstmal ein Chef von einer gesetzesfreien Schlägertruppe wie ICE im Look eines SS-Offiziers vor die Kameras treten musste, bevor Frauen* begreifen, dass es ein Leben außerhalb des Kochtopfes gibt, für dessen Ausgestaltung sie mit die Verantwortung tragen. Wieso hat das so lang gedauert? Wieso war es möglich, dass Frauen* – auch außerhalb der USA – seit Jahrhunderten so tun können, als seien sie für alles zu doof? Als ginge sie das Weltgeschehen nichts an, Hauptsache das Soufflé steht?

Ich werde ja häufiger mal gefragt, was ich gegen das Häkeln habe. Und was gegen das Kochen. Ich habe nichts gegen Häkeln. Und auch nicht gegen das Kochen, ich koche auch. Aber ich habe etwas dagegen, sein Hirn, seine Zeit, seine Kraft Häkeln, Kochen und anderen Schleifenbetätigungen zu widmen, solang die Welt so im Argen ist, wie sie es ist. Es kann nicht sein, dass Frauen* sich hinter ihrem karamellisierten Zwiebelkuchen verstecken und die Männer die Welt in Schutt und Asche legen lassen. Und so tun, als ginge sie das alles nichts an.
Doch, tut es. Und nicht nur, weil es ihre Männer sind, die frisch gestärkt durch Muttis Gaben Moral und Menschlichkeit an der Garderobe abgeben.
Es geht sie auch etwas an, weil ihre feige Häuslichkeit andere Frauen* mit in den Abgrund der Frage reißt, wie klug und belastbar Frauen* sind.

Vielleicht bin ich deshalb den US-Amerikaner*innen, die jetzt in ihre Social-Media-Kameras sprechen, so dankbar. Nicht nur, weil sie sich gegen ihre Regierung stellen und als weiße Mittelschicht eine wahre Macht darstellen. Sondern weil sie das Bild von der dummen Hausfrau korrigieren.
Während Tradwifes versuchen, ihr Ideal von der Unterordnung der Frau unter den Mann in die Weite zu bringen, machen diese Frauen* deutlich, dass sich häusliche Beschäftigung und Denken nicht ausschließen.
Dass es geht. Dass Frauen* häkeln UND denken können. Ja, sogar sprechen!
Wenn das die neue Hausfrauen*-Revolution ist, dann bin ich dabei!



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