Macht doch, was ihr wollt!

Jede zweite Woche stellen wir euch eine Frau vor, die ihr Leben umgekrempelt hat oder mittendrin ist in der Veränderung.

Heute:
Grit Ostermayer

Lebt und liebt das Analoge; also „Hands on” mit Grit Ostermayer. Foto: Denis Janker
Lebt und liebt das Analoge – also „Hands on” mit Grit Ostermayer! Foto: Denis Janker


Quilten, nähen, modellieren – Grit Ostermayers Superpower heißt Kreativität. Und weil sie ziemlich pfiffig ist, erspürt sie den Zeitgeist meist ein Stück früher als der Mainstream. Nachdem sie ihr Können jahrelang namhaften Modeunternehmen zur Verfügung stellte, heißt es nun „Maison Gritti“.

Name: Grit Ostermayer
Alter: 59
Beruf: Damenschneiderin und einiges mehr
Wohnt in: München
Motto: Einfach machen!

Was beschäftigt dich zurzeit am meisten?

Bei mir dreht sich gerade alles um den Aufbau meiner Brand „Maison Gritti”. Dazu gehört mein kreativer Blumenstrauß aus Gestaltung, Nähen, Keramik und auch der Beratung von Menschen, die sich gerne authentisch und sicher fühlen möchten in ihrer Kleidung. Hierfür mache ich alles selbst: nicht nur Shootings und Layout, Marketing und Buchhaltung, sondern auch Netzwerken inklusive der Kuratierung meiner Social-Media-Kanäle.

Klingt spannend, aber auch nach viel Arbeit. Was genau bietest du an?

Ich veranstalte zum Beispiel Workshops, indem ich einen kreativen Raum für Menschen schaffe; es geht um Begegnung und gegenseitigen Austausch, aber auch darum, etwas Konkretes zu erschaffen. Das kann ein kleines textiles Kunstwerk sein, das wir aus Stoffen und anderen Materialien gestalten, oder wir reparieren, verzieren oder gestalten ein Kleidungsstück um.

Außerdem begleite ich Menschen, meist Frauen, dabei, ihren Stil neu zu definieren. Gerade wenn man die Lebensmitte überschritten hat und nochmal beruflich neu durchstarten möchte. Mit meiner jahrelangen Expertise und viel Feingefühl bin ich da genau die Richtige. Bis 31. Oktober 2026 habe ich sogar einen Pop-up-Store im Münchner Glockenbachviertel, Reichenbachstr. 36.

Toll! Also „Hands on” und weg vom Digitalen?

Genau – ich möchte dazu animieren, mehr ins Tun zu kommen. Das fehlt offensichtlich vielen Menschen. Ich beobachte in meinen Workshops echte Glücksgefühle bei den Teilnehmenden, die aufkommen, wenn nach relativ kurzer Zeit etwas Kunstfertiges entstanden ist. Es macht mich immer wieder dankbar, zu sehen, wie einzigartig jeder Mensch sich über seine kreative Schaffenskraft ausdrücken kann.

Was hast du vorher gemacht?

Ich bin gebürtige Dresdenerin und habe nach der Schule zunächst eine Ausbildung zur Damenmaßschneiderin absolviert. Dann wurde ich Modeberaterin, irgendwann Store Managerin mit Team-Verantwortung, weiter gings als Visual Merchandiserin, danach „Head of Visual Marketing” mit allem, was dazu gehört …

Klingt nach einer runden Erfolgsgeschichte.

Ich kann ja auch was! Aber es gab auch Brüche: Während meiner 14 Jahre bei Bogner hat sich irgendwann meine Gesundheit gemeldet, und ich war rund zwei Monate ausgeknockt. Das war hart, aber ich konnte im Anschluss nahtlos weiterarbeiten. Sogar Auslandserfahrung konnte ich sammeln, als ich einen Jobwechsel in die Schweiz gewagt habe.

Aber irgendwann gab es einen Cut?

Ich hatte einfach zu viel Arbeit und habe gespürt, dass ich nochmal etwas anderes machen und freier sein möchte, mehr mit meinen Talenten umzugehen. Also habe ich mich aus der Schweiz verabschiedet und wollte mir eine längere Auszeit nehmen. Mir sind jede Menge Ideen durch den Kopf geschwirrt … und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich das alles auch zusammenfassen kann, nämlich mit „Maison Gritti”! Ich möchte hier gern Gastgeberin sein und für Menschen einen inspirierenden Raum schaffen.

Woher kommt der Name?

Meine Oma hat mich immer „Gritti” genannt – und ich wollte eine neue eigene Plattform schaffen mit vielen Inhalten und Themen, für die ich brenne. Ich habe mir das Ganze wie ein schönes Haus mit vielen Zimmern vorgestellt, in das ich andere Menschen einladen kann. „La Maison”, also „Haus” nennt man in der Haute Couture die großen Pariser Modehäuser. Da lag „Maison Gritti” irgendwie in der Luft.

Stimmt! Hast du alles andere an den Nagel gehängt?

Nicht ganz; ich habe ein zweites Standbein als Freelancerin und kreative Beraterin verschiedener Unternehmen.

Wie schaffst du es, alles unter einen Hut zu kriegen, ohne dich zu verausgaben?

Ich musste lernen, mich abzugrenzen und auch mal Nein zu sagen. Das fällt mir übrigens bis heute sehr schwer. Aber ich habe inzwischen für mich herausgefunden, was mir guttut: Pausen einlegen, Bewegung, Natur, Kreativität, Bücher … Das klingt simpel, aber wenn man im Hamsterrad läuft, verliert man schnell den Kontakt zu sich selbst.

Wie empfindest du deine derzeitige Lebensphase?

Es ist spannend und turbulent. Ich lerne gerade viel Neues, aber auch, mir selbst zu vertrauen. Manchmal bin ich allerdings zu ungeduldig …

Was treibt dich an?

Mein Treiber ist meine unbändige Kreativität. Ich liebe es, andere Menschen damit zu inspirieren. Ich träume davon, mit anderen Handwerker*innen zu kooperieren, um noch mehr ins Analoge zurückzufinden.

Und worauf kannst du komplett verzichten?

Auf Bürokratie, Neid und Menschen, bei denen das Glas immer nur halb voll ist.

Was empfindest du heute anders als noch vor 20, 30 Jahren?

Heute weiß ich, was ich kann und was ich alles geleistet habe und bin stolz darauf. Ich kann mir selbst vertrauen, kann immer auf meine Erfahrungen zurückgreifen und es auch in meinem Körper spüren.

Dein Rat an Frauen, die sich neu aufstellen müssen oder wollen?

Mutig sein, ausprobieren, sich helfen lassen. Ich hatte zu Beginn meiner Selbstständigkeit ein Coaching, das sehr wertvoll war. Sich mit anderen guten und inspirierenden Menschen zu verbinden, ist wichtig. Gleichzeitig muss man Leute, die einem nicht guttun, loslassen können.

Und was ist dein Rat an dein früheres Ich?

Bleib ruhig und vertraue dem Leben; du kannst so viel und hast so viele Talente.

Vielen Dank, liebe Grit!

Das Interview führte Gerlind Hector, die ein großer Fan von Grits gut gelauntem Insta-Account ist. Mit der Digitalität war’s das dann; denn genau wie Grit zieht es Gerlind mit aller Kraft ins Analoge. Sie näht, stickt, gartelt und bastelt für ihr Leben gern und gibt nebenbei „Hands on”-Workshops für Teenager. Die Devise: Weg vom Handy und lieber was ECHTES mit den eigenen Händen erschaffen! Macht glücklich? Und wie!

Hier geht es zu Maison Gritti
Und hier zu Grits Instagram-Account

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