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Palais F*luxx

Online-Magazin für Rausch, Revolte, Wechseljahre

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Macht doch, was Ihr wollt!

Jeden zweiten Mittwoch stellen wir Euch eine Frau vor, die ihr Leben umgekrempelt hat oder mittendrin ist in der Veränderung


Heute: Kerstin König

„Meine Vorbilder sind Menschen, die ihre sicheren Pfade verlassen haben.”
Foto: ©Vergiss Mein Nie / Ilona Habben

Kerstin König folgt ihrem Instinkt … und der scheint gut zu funktionieren. Denn Kerstin kann’s: Fast 19 Jahre lang saß sie in der „Tagesschau“-Redaktion, dann musste etwas Neues her. Heute lebt sie ihre vielen Talente aus, leistet nicht nur kreative Kopf-, sondern auch Körperarbeit – und beglückt Palais F*luxx mit einem „6 Minuten über Sex“-Podcast. Dort erklärt sie gemeinsam mit der Hamburger Frauenärztin Dr. Elke Franzki, was unsere „Yoni“ so alles kann.

Name:  Kerstin König
Beruf: Frauenberaterin, Sexualcoachin, Trauer- und Hospizbegleiterin u.v.m.
Alter: 47 Jahre
Wohnt in: Hamburg
Motto: Das Leben in all seiner Vielfalt genießen.

Du beglückst Palais F*luxx mit dem Podcast „6 Minuten über Sex“, hast aber noch ein paar andere Jobs. Wie empfindest Du Deine derzeitige Lebensphase?
Alles ist gerade sehr aufregend und schön. Ich kann mein Leben selbst organisieren und mich mit Themen beschäftigen, die mich interessieren. Das ist allerdings auch die größte Herausforderung! Ich liebe diese Vielfalt in meinem Leben; ganz aktuell natürlich meinen Mini-Podcast „6 Minuten über Sex“, den ich gemeinsam mit Dr. Elke Franzki für Palais F*luxx aufnehme.

Erzähl doch mal etwas über Deinen Werdegang …
Als Kind wollte ich unbedingt Kindergärtnerin werden; das hatte sich schnell erledigt. Tatsächlich hatte ich nie ein klares Talent, aber viele unterschiedliche Interessen. Mir war klar: Ich wollte etwas Kreatives machen. Dann hatte ich das große Glück, einen Grundausbildungslehrgang für gestalterische Berufe machen zu können. Ich war an einem Videofilm-Projekt beteiligt und habe eine Ausbildung zur Fotografin gemacht. Gleich danach stand ich an einer Weggabelung: ein Jobangebot annehmen, von dem ich nicht überzeugt war, oder zurück zu meinen Eltern ziehen. Es wurde dann Möglichkeit Nummer Drei. Am Tag der Wohnungsauflösung klingelte das Telefon und ich bekam die Chance, als Au-Pair nach Ägypten zu gehen … zwei Wochen später war ich für sieben Monate in Kairo. Als ich wieder in Deutschland war, fing ich bei einer regionalen TV-Station in Bayern an, machte ein Volontariat als Redakteurin vor und hinter der Kamera. Dann kam der Internet-Boom. Durch ihn öffneten sich plötzlich viele Türen und mein Start-Up-Team zerstreute sich in alle Winde, sodass ich auch weg wollte. Ich habe mich dann aus einer Mischung aus Wagemut und „Die nehmen mich eh nicht”-Attitude bei der „Tagesschau“ in Hamburg beworben. Ich wurde tatsächlich genommen, zog von Bayern nach Hamburg und blieb fast 19 Jahre in der Redaktion.

Es gab also Job-Neuanfänge in Deinem Leben?
Ja, mehrere! Von der Fotografin zur Redakteurin, von der Redakteurin zu meinem aktuellen breit gefächerten Tätigkeitsfeld. So hatte ich erst jüngst meine Premiere als Audiobiografin für ein Familienhörbuch, das Eltern, die unbheilbar erkrankt sind, für ihre Kinder aufnehmen, weil sie diese nicht mehr ins Erwachsenenleben begleiten können. Alles, was ich tue, hängt an vielen Punkten zusammen, gleichzeitig ist jedes für sich wiederum sehr besonders.

Magst Du uns in dem Zusammenhang von einem Misserfolg erzählen?
Der hängt ein wenig mit meinem größten Erfolg zusammen, nämlich ohne Studium bei der „Tagesschau“ Karriere gemacht zu haben. Es war schon echt schwer, diesen – für mich viele Jahre sehr besonderen – Job aufgeben zu müssen, weil ich merkte, dass es nicht mehr ging. Es war einfach mehr als ein Job. Ich hatte mein ganzes Leben danach ausgerichtet. Und dann entwickelten wir uns so auseinander, dass wir in mehreren entscheidenden Punkten nicht mehr zusammenpassten. Das fühlte sich lange als Scheitern an und brachte mich an meinen Bodensatz. Dann war mir irgendwann klar, wenn ich so weitermache, gehe ich kaputt. 

Was hat Dir geholfen bei dem Sich-neu-Erfinden?
Ach, es gab immer wieder einmal zwischendurch kleine Stürze und Wendepunkte. „Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten und weiter“ habe ich ein paarmal durch. Das hat mir auch bei meinem beruflichen Neuanfang geholfen, nach meiner langen Zeit als TV-Nachrichtenredakteurin. Ich wusste, es geht weiter. Darauf vertraute ich auch in dieser schweren Krise – und behielt zum Glück Recht. Am Ende hat mir wohl auch meine „Stehaufweibchen“-Mentalität geholfen. Dieses innere Wissen, dass ich einen Strich ziehen und neu anfangen kann. Letztendlich auch das Wachsen an der Krise. 

Hast Du einen Rat an Frauen, die sich in der Mitte des Lebens neu aufstellen?
Lasst Euch nichts einreden und folgt Eurem Instinkt. Das Leben ist in der sogenannten Lebensmitte – hoffentlich – noch viel zu lang, um einen Job oder andere Umstände auszuhalten, die Euch krank und unglücklich machen. Denkt an Eure Endlichkeit und gestaltet Euer Leben so, wie es Euch gefällt. Und orientiert Euch an Menschen, die geschafft haben, was Ihr Euch wünschen würdet. Meine Vorbilder sind Menschen, die ihre sicheren Pfade verlassen haben, um sich neu zu erfinden. Das inspiriert mich immer wieder.

Was empfindest Du heute anders als noch vor 20/30 Jahren?
Ich bin heute viel mehr ich selbst – und zwar zu jeder Zeit. Früher habe ich oft immer nur einen Teil meiner Persönlichkeit gezeigt; je nach Anlass. Heute würde ich meinem früheren „Ich“ zurufen: Entspann Dich und mach Dir nicht so viele Gedanken! Du bist schon ok, so wie Du bist. 

Vielen Dank!

Das Interview führte Gerlind Hector, die genau wie Kerstin nicht mit dem einen großen Supertalent gesegnet ist, das alles überstrahlt. Beide haben ein paar Extra-Schleifen gedreht um anzukommen. Im Gegensatz zu Kerstin hat Gerlind allerdings keinen Schimmer von der Methode Body 2 Brain CCM®, Tantra-Massage oder der Perlentor-Ausbildung. What? Dazu wird Kerstin in ihrem „6 Minuten über Sex“-Podcast bei Palais F*luxx bestimmt etwas erzählen.

Link zu Kerstin: sinne-und-verstand.de

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