Fluxxtisch OWL: Flächendeckend berauschend

Marion Busse vom Fluxxtisch Ostwestfalen-Lippe (OWL)
Marion Busse vom Fluxxtisch Ostwestfalen-Lippe (OWL). Foto: privat

Marion Busse ist die treibende Kraft hinter dem Fluxxtisch, der in Bielefeld, Paderborn und in anderen Orten in Ostwestfalen-Lippe gastiert. Genauso vielfältig sind die Themen, mit denen sich die OWL-Frauen beschäftigen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Fluxxtisch zu gründen?

Es gab tatsächlich diesen einen zündenden Moment: Nachdem ich Palais F*luxx im Herbst 2024 auf der „Her Career Messe“ in München unterstützt hatte, schrieb Silke frech und wertschätzend sinngemäß in einem der folgenden Fluxxletter: Lehrerin kam nach München anstatt in den Herbstferien im Teutoburger Wald in Gummistiefeln rumzulaufen und Kastanienmännchen zu basteln. Da war sie wieder: Die Unterschätzung von Ostwestfalen-Lippe und mein Impuls, das zu ändern. 😉

Was war der Antrieb, die Motivation, der zündende Moment?

Wenig später gab es wieder einen Moment, in dem ich wusste, was zu tun ist. Im Januar 2025 hab ich Silke Burmester gemailt: „Sag mal, kannst du dir vorstellen, dass ich versuche, auch in OWL einen Fluxxtisch aufzubauen?“

Klar hat Silke zugesagt, mein innerer Impuls war da, ich hatte alle Infos, die ich brauchte. Und so habe ich angefangen. Alles fühlt sich richtig an.

Wann hat sich der Fluxxtisch gegründet, und wie hat er sich seitdem entwickelt?

Zu unserem 1. Treffen im März 2025 kam Anne W. vom Hamburger Fluxxtisch nach Bielefeld und traf dort Friderike Borchers, die den Bielefelder Frauenpreis gewonnen hat. Da Friderike Handwerksmeisterin ist, luden wir auch Handwerkerinnen ein, die wir kannten. Das weckte erneut das Interesse der Handwerkskammer, die über unser Treffen berichtete. Die über 20 Frauen kamen hauptsächlich aus unseren eigenen Netzwerken.

Wir starteten groß, danach wurde es kleiner und persönlicher. Beim übernächsten Treffen waren wir beim sonntäglichen Nachmittagstanz vier Frauen – das war auch inspirierend.

Die Idee war von Anfang an, nicht nur in Bielefeld zu bleiben, sondern auch in die OWL-Kreise zu gehen. Silke Remmert, die die wunderbaren Kacheln entwirft, und ich entwickelten Flyer, legten diese in Paderborn aus und schrieben u.a. auch eine Gleichstellungsbeauftragte an.

Dieser Weg war nicht wirklich erfolgreich – Gleichstellungsbeauftragte lassen sich offenbar nicht so leicht überzeugen wie Handwerkerinnen. Dennoch waren wir in Paderborn schließlich sieben Frauen, und der Kontakt hält, auch wenn wir mit dem Fluxxtisch selten in Paderborn sind.

Gibt es feste Themen bei jedem Treffen oder ziehen sich bestimmte Themen durch?

Silke Remmert hat ganz bewusst für OWL die Disco-Kugel eingearbeitet. Wir lieben es, nach dem Fluxxtisch gemeinsam tanzen zu gehen. Mittlerweile bringen die Frauen ihre enorme Strahlkraft ein und ich greife diese inspirierenden Ideen auf.

Wo trefft ihr euch? Gibt es einen festen Raum oder wechselt ihr jedes Mal den Ort?

In Bielefeld haben wir einen festen Raum für unseren Fluxxtisch: Das NOA. Wir sind mittlerweile von den Betreibern so gerne gesehen, dass es fast wie ein Wohnzimmer für uns ist. In den anderen OWL-Kreisen wechseln wir die Orte, die auch die OWL-Subkultur widerspiegeln – vom Tanzcafé in Zweischlingen bis zum Bunker Ulmenwall.

Was ist das Leuchtende an eurem FT? Was macht den Rausch aus?

Mittlerweile sind es die Inspirationen, die wir Frauen „aus unserer Welt“ mitbringen und die uns begeistern:

  • Wir sammeln Kräuter und verarbeiten sie in einem Garten, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen.
  • Eine Frau leitet ein Theater und wir bekommen Tipps für ganz besondere Kunstmomente
  • Eine Musikerin hat ein ehemaliges Brotmuseum gekauft und veranstaltet dort außergewöhnliche Events

Wir berauschen uns beim Tanz, den Konzerten und den nicht alltäglichen Inspirationen, die wir einbringen.

Und was die Revolte?

Für mich ist es Revolte, wenn wir Kräuter sammeln und diese im Anschluss zu Tinkturen verarbeiten, die im wahrsten Sinne für unsere Körper und Seelen heilsam sind. Keine Tradwife kann uns das Wissen über Schafgarbe wegnehmen, und sie haben höchstwahrscheinlich keine Ahnung davon, was unsere Ahninnen an Wissen weitergegeben haben.

Für mich ist es Revolte, wenn es in unseren Gesprächen diese stillen Momente gibt: Eine Frau erzählt etwas, die anderen hören wertschätzend zu und wissen, wovon die andere spricht.

Weil wir es selbst erfahren haben: Freude, Wut und Trauer, Angst, Scham, Sehnsucht. Keine hohlen Bemerkungen, keine Ratschläge – das (Aus-)Halten dieser kostbaren Momente, die Verbindung schaffen.

Es ist für mich Revolte, wenn wir uns im Haus der Stille mit Maria und den weiblichen Bildern der göttlichen Energie beschäftigen und Erfahrungsräume miteinander teilen.

Es ist für mich Revolte, dass so unterschiedliche Frauen und Lebensentwürfe zusammenkommen. Wenn wir über Männer / den Mann, die Frauen / die Frau und das Verhältnis zueinander sprechen, überkommt uns manchmal Verzweiflung. Dort bleiben wir aber nicht stehen. Wir wissen, dass der Weg anstrengend bleibt und gleichzeitig glauben wir an ein gleichberechtigtes Miteinander – wir sind kluge und tatkräftige Optimistinnen, die benennen, wo Veränderungen unumgänglich sind.

Was braucht es, damit es weitergeht?

Über den Fluxxletter melden sich eher wenige neue Frauen an. Ich bin aber auch hier optimistisch: Manches braucht seine Zeit. Ich möchte gerne mittel- oder langfristig die OWL-Kreise Minden, Paderborn und Höxter in andere Hände geben, damit dort mehr Regelmäßigkeit und Tiefe bei den Treffen entstehen kann.

Unsere Fluxxtische besuchen (noch) wenige Frauen, die eine Migrationsgeschichte haben. Das ist schade.

Warum sollten Frauen bei eurem Fluxxtisch mitmachen?

Kräuterwanderungen mit Fluxxtisch OWL
Kräuterwanderungen mit dem Fluxxtisch OWL. Fotos: privat

Ich zitiere Silke Burmester: „Sich austauschen, feststellen, dass man gar nicht die Einzige ist … Sich unkompliziert treffen, ganz egal, wie die Situation ist, wie blöd oder traurig, wie gut oder glänzend. Entweder, um mitgerissen zu werden oder um andere mitzureißen – ganz egal, beim Fluxxtisch kann man nicht verlieren, DABEI ZU SEIN, IST EINFACH GUT.“

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